Uruguay – Bolivien 4:2

Estadio Centenario, 52.000 Zuschauer

Wenn man dabei zusehen will, wie sich eine kleine Nation für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert, muss man Österreich mittlerweile schon etwas hinter sich lassen. Uruguay bzw. Montevideo ist dabei sicher eine der eher weiter entfernteren Optionen, aber durchaus auch eine der sympathischeren. Noch dazu, wenn in einem so geschichtsträchtigen Stadion gespielt wird.

Die „Uruguaschos“, wie man hier „Uruguayos“ ausspricht, haben einen absoluten Drang ins Freie, in die Natur. Montevideo ist übersät von großzügigen Parkanlagen, die auch für diverseste Aktivitäten genutzt werden. Unschlagbar ist aber eindeutig die rund 20 Kilometer lange Strandpromenade am Rio de la Plata, die zum Bummeln, Sportbetreiben und – wenn vorhanden – Sonne genießen einlädt.

Die Rambla könnte man wohl zumindest Monate lang immer wieder neu entdecken, ohne dass einem dabei allzu fad werden würde. Entlang der Küstenstraße befinden sich auch einige Denkmäler, wie etwa jenes für den Holocaust. Darauf abgebildet leider auch der Beweis, dass die Rechte nicht nur in Europa präsent ist. Mit Sätzen wie „KZs dienten nicht der Vernichtung, sondern der Arbeit“ oder „Zyklon B war nur zum Schutz vor Typhus da“ wurde die sonst echt beeindruckende Gedenkstätte verschandelt.

Geschichtsrevisionismus am Holocaust-Denkmal

Zum Centenario muss, zumindest für Fußballliebhaber, ja nicht viel gesagt werden: 1930 zum 100-jährigen Jubiläum des Verfassungsschwurs eingeweiht (deswegen auch der Name), krönte sich Uruguay hier auch gleich noch zum ersten Fußballweltmeister nach einem dramatischen 4:2 im Finale gegen Argentinien. Neben dem Nationalteam kann man das Stadion live auch noch bei (mittlerweile) Auswärtsspielen von Peñarol gegen kleinere Stadtrivalen oder auch bei Spielen von Club Nacional de Futbol erleben (ebenfalls auswärts). Zuschauertechnisch ist da aber dennoch sicher das Nationalteam die bessere Option.

Das Stadion legt von außen einen Bombeneindruck hin, liegt in einer großen Parkanlage mit mehreren Fußballplätzen (wie eben auch von Central Español). Der zentrale Mast (Torre de los Homenajes) auf der Haupttribüne ist beim Nähern schon von Weitem zu sehen und ist auch im Stadion absolut beeindruckend. Ansonsten merkt man durchaus, dass der Zahn der Zeit bereits am Centenario nagt und es nicht mehr auf dem neuesten Stand ist. So würde man heute jedenfalls kein Stadion mehr errichten.

Auch mein Sitzplatz ist alles andere als optimal, obwohl er direkt am Spielfeld und sogar direkt vor den Umkleidekabinen der Heimmannschaft platziert ist. Andererseits machen klarerweise gerade diese Unzulänglichkeiten auch den Charme des Stadions aus. Neben mir nimmt ein Pärchen aus New York Platz (er Uruguayaner, sie aus Puerto Rico – und zum ersten Mal im Stadion). Dass er Fan von Red Bull NY ist, verzeihe ich ihm aufgrund seiner Nettigkeit. Meine Meinung zu Mateschitz bekommt er freilich dennoch mitgeteilt.

Die ersten 35 Minuten des Spiels verschläft die „Celeste“ total, Bolivien geht sogar mit 1:0 in Führung. Nur der zwischenzeitliche Rückstand von Argentinien in Ecuador bringt etwas Stimmung in die Bude. Ein Doppelschlag der Heimmannschaft noch vor der Pause lässt dann aber alle Dämme brechen und die große Party beginnen. Zwischenzeitlich liegt Uruguay gar mit 4:1 vorne, ehe Bolivien noch einen weiteren Ehrentreffer verzeichnen kann.

Atmosphärisch ist es ein klassisches Ländermatch. Die Stimmung ist von Beginn an auf Party ausgelegt. Die Hymne von Uruguay (unten im Video) erzeugt schon durchaus Gänsehautstimmung. Auch der Jubel bei den Toren (jener zum 2:1 ebenfalls im Video) ist freilich überbordend. Dazwischen kommt aber wenig bis gar nichts. Erst gegen Ende hin wird es dann auch durchgehende lauter. Beeindruckend dann allerdings das Feuerwerk über dem Stadion, wo so in etwa eine halbe Silvesterladung verpulvert wurde. Leider hatte zu diesem Zeitpunkt aber der Akku meiner Kamera bereits den Geist aufgegeben – nur für ein Bild vom Konfettiregen ließ er sich am Ende noch erweichen.

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