Mustapekka Areena, 1.911 Zuschauer
Sich ein besseres Spiel als am Vortag zu erhoffen, wenn man zum Tabellenschlusslicht fährt, mag vordergründig nicht unbedingt logisch klingen. Allerdings sind in der finnischen Veikkausliiga halt auch erst wenige Spieltage ins Jahr gezogen. So völlig unmöglich erschien das Unterfangen also dann doch nicht.
Durch den gestrigen Regentag hatte sich mein Besuch von Suomenlinna, der Seefestung vor der Küste Helsinkis um einen Tag verschoben, passte aber immerhin so auch ganz gut zur Geschichte des heute anvisierten Vereins. Die militärische Anlage wurde ab 1748 von den Schweden erbaut und sollte die Hafeneinfahrt der Stadt bewachen. Dazu wurden auf sechs der acht Inseln Befestigungen und Kanonenstellungen errichtet, die heute UNESCO-Weltkulturerbe und frei zu besichtigen sind. Ab 1808 fiel die Seefestung an Russland und verblieb für 110 Jahre in dessen Besitz. Heute leben hier rund 800 Menschen, darunter auch Insassen eines kleinen Gefängnisses, das seit 1971 auf den Inseln in Betrieb ist.















Die Idrottsföreningen Gnistan („Sportverein Funke“) wurde 1924 von schwedischsprachigen Schülern gegründet, erst 1935 kam Fußball als eigene Abteilung dazu. 1950 wurden alle anderen Sportarten eingestellt und volle Konzentration auf das Spiel mit dem runden Leder ausgerufen. Bald wurde Gnistan zwar zu einem bedeutenden Klub in der Hauptstadtregion, der Aufstieg in die erste Liga gelang über viele Jahrzehnte allerdings nicht. 1994 spielte der blau-gelbe Verein erstmals zweitklassig, 30 Jahre später gelang auch der Sprung in die Spitzenklasse.
Nach fünf Spieltagen rangiert der Klub aus dem Vorort Oulunkylä mit nur einem Punkt am Tabellenende, wodurch heute gegen die Gäste aus Turku schon beinahe Siegen Pflicht ist, um nicht komplett abgehängt zu werden. Dass dies mit spielerischen Mitteln eher schwer möglich ist, ist bereits in den ersten Spielminuten zu merken, in denen Inter immer wieder die dicht gestaffelte Abwehr von Gnistan überspielt. In Kontern stellen zudem die pfeilschnellen Flügelspieler eine echte Gefahr da.
Gnistan hält allerdings beherzt dagegen und spielt sich in einen wahren Abwehrrausch, in dem sich die Spieler gegenseitig anfeuern und aufpushen. Auch das Publikum bedenkt jeden erfolgreich unterbundenen Angriff dankbar mit Applaus und Anfeuerungsrufen. Noch lauter wird es, als sich einer der ihren in einer überragenden Einzelaktion durch die gesamte gegnerische Abwehr tanzt, vor dem Torhüter auftaucht und den Ball tatsächlich im Netz unterbringt.
So geht es mit einer Führung in die Pause, und Turku kann im zweiten Durchgang nicht mehr wirklich an die passable Leistung zuvor anschließen. Stattdessen kassieren die Gäste sogar noch den zweiten Treffer durch einen Konter. Nach sechs Minuten Nachspielzeit können die Blau-Gelben den ersten Sieg in dieser noch jungen Saison tatsächlich bejubeln – und ich nach einem wirklich herzeigbaren Spiel wieder meinen Frieden mit dem finnischen Fußball schließen.













