HJK – FC Lahti 1:0

Bolt Arena, 5.052 Zuschauer

Gedroschen voll, menschenleer, bei brütender Sonne, im klassischen Hafenstadtregen: Helsinki und ich haben nach wenigen Tagen hier schon fast alle Gemütsregungen durch, die man so mit einer Stadt erleben kann. Nur ein Erstligaspiel, das fehlt mir trotz dreitägigem Aufenthalt wirklich noch. Das musste daher an einem Montag selbstverständlich noch nachgeholt werden. Ob und warum ich mir das gewunschen hatte, konnte ich danach allerdings nicht beantworten.

Helsinki wurde 1550 auf königlichen Befehl und als Konkurrenz zur damals schon mächtigen Handelsstadt Tallinn gegründet. In den ersten hundert Jahren zählte die Stadt nur wenige Einwohner:innen und war äußerst unbedeutend. 1640 wurde sie verlegt und die ersten Gebäude dort errichtet, wo sich heute der zentrale Senatsplatz befindet. Ab Ende des 17. Jahrhunderts begann der Aufstieg der Stadt, 1812 wurde sie zur Hauptstadt des Großfürstentums Finnland. Heute zählt Helsinki rund 694.000 Einwohner:innen und ist weiterhin von der historisch gewachsenen Zweisprachigkeit geprägt, auch wenn „nur“ knapp 5,5 Prozent der Bevölkerung Schwedisch als Muttersprache angeben.

Der Helsingin jalkapalloklubi (also: Helsinkier Fußballklub) wurde 1907 gegründet und ist der einzige Verein in Europa, der sowohl im Frauen- wie auch Herrenfußball Rekordmeister (22 bzw. 33 Titel) seines Landes ist. Als einziger finnischer Verein bisher konnte sich HJK für die Gruppenphase der Champions League (1998/99) und auch der Europa League (erstmals 2014/15) qualifizieren. In der Vergangenheit betrieb HJK noch Abteilungen in Eishockey, Volleyball und Bandy, diese wurden aber trotz einiger Erfolge eingestellt.

Kurz vor Anpfiff ziehen Hunderte Kinder angeführt von einer Schildkröte und einem Eisbären durchaus stimmungsvoll ins Stadion ein. Da wusste ich allerdings noch nicht, dass ich soeben den Ultrasektor des Vereins gesehen hatte. Denn neben der Handvoll Lahti-Fans sind sie tatsächlich die einzigen, die während des Spiels versuchen eine halbwegs dem Fußball angepasste Atmosphäre zu liefern.

Wo wir nun beim eigentlichen Problem wären: Wenn das Gezeigte tatsächlich mit Fußball etwas zu tun hatte, dann habe ich in meinen bisherigen Jahrzehnten eine völlig andere Sportart verfolgt. Hälfte 1 ist gezeichnet von haarsträubenden Fehlern, immer wieder kommen Spieler beider Mannschaften völlig unbedrängt im gegnerischen Fünferraum zu Bällen. Immerhin sind sie meist selbst so überrascht, dass sie stümperhaft vergeben. Nicht aus solch einer Situation, sondern mit einem absoluten Glücksschuss fällt das 1:0 und damit einzige Tor des Abends. Die heimischen Kicker fangen erst nach einigen Schocksekunden zu jubeln an.

In Hälfte 2 werden die Fehler zwar eingestellt, der gesamte klägliche Rest aber auch. Höhepunkt ist kurz vor Schluss die Gelb-Rote Karte für den Trainer und die darauffolgende glatt Rote Karte für den Co-Trainer der Gäste. Ich habe selten so viele und sooft Fans (auch) die eigene Mannschaft auslachen gehört als bei diesem Spiel…

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