Ruch Chorzow – GKS Belchatow 0:1

Stadion Miejski, 5.400 Zuschauer

„Es lebt!“, kreischt meine Abteilkollegin kurz vor Katowice, als ihr ein Insekt im Halbschlaf in den Schoß fällt. Aber es ist zum Glück kein Carabidae-Pseudophonus sondern eine ordinäre Stubenfliege – also tendenziell ungefährlich, wenn auch ein ordentlich großes Exemplar dieser Gattung. Chorzow (Königshütte) liegt noch knapp sechs Kilometer von Kattowitz entfernt und ist in vielen Teilen so eine richtig dreckige, heruntergekommene Stadt im größten Industrierevier Polens, das gesamt rund 2,7 Millionen Einwohner umfasst.

Im Hotel stellt der Fakt Ausländer und die Frage nach dem besten Weg zum Match gleich mal die Verbindung zum Finale der Volleyball-WM (in Katowice) her. Dabei liegt das Stadion Miejski viel näher als die schnöde Volleyball-Halle, auch wenn Polen gegen Titelverteidiger Brasilien wohl durchaus auch für Spannung gesorgt hätte – und noch dazu mit dem Sieg des Gastgeberlandes endet. Dennoch geb ich mir Fußball, oder zumindest das, was davon übergeblieben ist nach diesem Spiel. Denn es sollte mir so ziemlich das fadeste Spiel ever bevorstehen. Nach zwei Minuten entschieden, danach nur mehr Grottenkick auf niedrigstem Niveau. Warum tut man sich sowas an einem Sonntagnachmittag nur an? Außer vielleicht aus Prinzip.

Der Grund, warum ich Ruch (auf Deutsch „Bewegung“) einmal sehen wollte, war der sensationelle Auftritt seiner Fans in der EL-Quali 2010/11 gegen Austria, als rund 1.000 polnische Anhänger das Horr-Stadion rockten – und das trotz 0:3-Niederlage. Davon sind die Blau-Weißen zwar heute weit entfernt, das Spiel der Mannschaft bietet aber wirklich auch nicht viel Grund für Enthusiasmus. Dennoch supporten die Chorzow-Fans alles andere als schlecht, vor allem Wechselgesänge innerhalb der weiten Heimkurve kommen ganz gut. Erst gegen Ende des Trauerspiels verlieren auch sie die Geduld und schwenken auf lautstarkes Schimpfen um.

Erwähnenswert sind beim Stadion noch die Holzsitze auf der Haupttribüne, die aus ergonomischer Sicht wohl ziemlich jeden Vergleich mit ihren modernen Plastikvarianten aushalten – vom Kultfaktor sind sie sowieso um einige Nasenlängen vorn.

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