Töölön Pallokenttä, ca. 400 Zuschauer
Der süße Duft des Grases liegt bereits in der Luft, umso näher man dem Etablissement kommt. Gegen den läppischen Betrag von 10 Euro erhält hier jede(r) noch am Eingang vom Dealer genug Paper, um es nach Lust und Laune zu rollen und zu stopfen. Dann öffnen sich die Tore zum größten Freiluft-Coffeshop Finnlands, und wohl auch der Welt. Zur Verstärkung der berauschenden Wirkung geben 22 Artisten und 3 Bösewichte zudem auch noch eine Live-Performance, die in ihrer skurrilen Abartigkeit an Fußball erinnern soll. Willkommen beim FC Kiffen 08 und seinen billigen (deutschsprachigen) Witzchen!
Um mich vor der frevelhaften Abendbeschäftigung noch etwas zu läutern, wurden bei der vormittäglichen Stadtbesichtigung von Helsinki vor allem die hiesigen Gotteshäuser in Augenschein genommen. Neben der orthodoxen Uspenski-Kathedrale (in Rot) und dem evangelischem Dom (in Weiß) war dies vor allem auch der Sakralbau des Heiligen Dampfsrosses (Sandfarben) aka Hauptbahnhof. Den gesamten Vormittag über war die finnische Hauptstadt quasi menschenleer, es könnte tatsächlich sein, dass die Einheimischen gestern doch noch etwas länger gefeiert haben…













Der FC Kiffen wurde 1908 in der zweisprachigen Stadt unter dem schwedischen Namen Kronohagens Idrottsförening (also Kronohagener Sportvereinigung) gegründet. Aus der Kurzform KIF entstand dann umgangssprachlich Kiffen – alle Wortwitze bezüglich der deutschen Bedeutung des Klubnamens sind daher unangebracht und wurden bereits im Einstieg zu diesem Bericht abgefeuert. 1913, 1915 und 1916 krönte sich der Klub im Pokalmodus zum finnischen Meister, und war 1930 auch Gründungsmitglied der ersten nationalen Liga. 1955 erfolgte der erste und letzte Titel in diesem Modus, 1978 der Abstieg nach 22 Jahren dauerhafter Zugehörigkeit in der Erstklassigkeit. Momentan fristet der Verein sein Dasein in der Viertklassigkeit.
Das Töölön Pallokenttä (deutsch: Töölö Ballspielplatz) trägt auch den Spitznamen Bollis und war das erste Fußballstadion in Finnland. Im 1915 eingeweihten Stadion wurden auch einige Spiele der Sommerolympiade 1952 ausgetragen (unter anderem auch Österreich-Schweden), das direkt dahinter befindliche Olympiastadion mit seinem markanten Turm hatte ihm zu dieser Zeit allerdings bereits den Rang abgelaufen. Neben dem FC Kiffen tragen hier auch etliche weitere Mannschaften ihre Heimspiele aus, darunter auch die heutigen Gäste.
Zu behaupten, der Klub habe sich dezent auf seine Wirkung auf halblustige Deutschsprechende eingestellt, wäre wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Beinahe achselzuckend werden die von mir freudestrahlend in Merchandise-Produkte investierten Moneten entgegengenommen. Stolz wird mir auch noch das klubeigene Bier präsentiert, auf dem sogar ein paar Worte in Deutsch geschrieben stehen. Dass ich es vor Spielbeginn noch ablehne, ruft schon beinahe Enttäuschung hervor.
Das Spiel hat alles, was man sich von einem viertklassigen Match in Finnland so vorstellt. Nämlich fast nix. Tor 1 und 2 für die Gastgeber fallen jeweils in den ersten Sekunden der Halbzeiten – die Gäste dürften noch etwas benebelt gewesen sein. Wie durch ein Wunder kommen sie aber noch auf 1:2 heran, und für ein paar Minuten scheinen sie echt Hoffnung auf mehr zu haben. Stümperhaftes Verteidigen bringt ihnen dann aber den nächsten Gegentreffer ein, noch in die Durchsage des Spielstands fällt dann auch noch das nächste Gegentor.















