Cracovia Krakow – MKS Dolcan Zabki 0:2

Stadion Cracovii, 4.000 Zuschauer

Da ich diesen Tag fast ausschließlich für die Anreise (samt verträumter und an Konversation sehr interessierter Nachwuchsschauspielerin im Abteil) und das Kartenauftreiben aufgewendet habe, kommen eventuelle Sightseeingeindrücke wenn dann morgen. Dafür mal – für alle, die das noch nicht wissen – eine kleine Einführung in polnische „Kartenkunde“: Bei den meisten Klubs braucht man entweder eine Karta Kibica (also eine Fancard), um Tickets zu bekommen, oder muss sich zumindest registrieren lassen.

Letzteres geht bei Cracovia sehr schnell, und ich halte schon bald meine Karte für 15 Zloty in der Hand. Beim nur rund 200 Meter entfernten großen Nachbarn Wisla, dessen Match ich mir morgen geben werde, ist das dann schon ein bissl aufwendiger. Hier braucht man echt eine Kibica mit Foto und – ganz wichtig! – dem/der „Pesel“, mit dessen Nummer man polenweit (zumindest in der Welt des Fußballs) identifizierbar ist. Da ich kein Polnisch kann, stelle ich mich mit leerem Antragsformular, aber brav gezücktem Pass, in der Schlange an und warte vorerst. Nach rund 15 Minuten habe ich Glück, gerate an einen Englisch sprechenden Sachbearbeiter und halte wenig später zum Preis von 10 Zloty eine Fancard in der Hand. Mit dieser muss ich dann einen Stock tiefer zum Ticketschalter (bei Poznan etwa wird das Ticket direkt auf die Fancard gebucht). Dort wähle ich dann eine Karte, der „teureren“ Kategorie und überlebe eine kleine Überraschung: Aus „Promotion“-Gründen kostet die mich nur 5 Zloty, heißt im Klartext: Heutige Zweitligapartie und morgiges Erstligaspiel um gesamt 30 Zloty, umgerechnet heiße 8 Euro (auch hier zum Vergleich Poznan: 50 Zloty, also rund 13 Euro) – bitte mehr davon ;-).

Das Stadion Cracovii ist eine nette Kleinstarena, die außen zwar ziemlich unscheinbar ist, innen aber so ziemlich jeden österreichischen Bundesligisten vor Neid erblassen lassen würde – einfach ein netter, moderner Fußballplatz für etwas über 15.000 Zuschauer… Gleich beim Aufhängen der Fantransparente zeigt sich eine weitere polnische Fußballspezialität: Die extrem komplexen Freundschaften zwischen den Fans der Vereine. So ist etwa Cracovia mit Arka Gdynia und – schon gestern bemerkt – Lech Poznan verbandelt, der Lokalrivale steht freilich am unteren Ende der Nahrungskette.

Ca. 4.000 Zuschauer verfolgen diesen Hundskick erster Güte. Und diesmal taugt mir die Stimmung bei Weitem besser, weil sie viel mehr spielbezogen ist. Zu Beginn wird der Eishockeytrainer von Cracovia, der mit seinem Team gerade Meister geworden ist, groß abgefeiert. Nach der ebenso feierlichen Vereinshymne startet das Match mit teils sehr coolen Wechselgesängen zwischen Fan- und Haupttribüne – von der die Hälfte das ganze Match steht. Ob der schlechten Heimleistung kippen die Emotionen aber bald ins Negative, „Kurva“ ist das häufigst gebrauchte Wort dabei. Zwar geht es mit 0:0 in die Pause, danach nutzen die Gäste allerdings ihre Chancen, das zweite Tor gelingt jedoch mit mehr Glück als Verstand. Und so heißt es auch am Schluss: „Hej, heja, heja, Cracovia Mistzrem Hokeja!“ – diesmal allerdings aus nicht so feierlichen Gründen.

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