Wisla Krakow – Piast Gliwice 1:2

Henryk-Reyman-Stadion, 10.880 Zuschauer

Der Ticketsorgen fürs Erste mal entledigt, begeb ich mich auf Erkundungstour. Während das ehemalige Königsschloss am Wawel bereits am Tag davor noch vor Cracovia eingeschoben wurde, startet die Tour heute am Plac Bohaterow Getta (Platz der Helden des Ghettos), von wo die Nazis die jüdische Bevölkerung aus ihrem ummauerten „Wohnbezirk“ abtransportierten. Unweit davon befindet sich die Email-Fabrik von Oskar Schindler, in der nun ein (sehr gutes) Museum zur Geschichte Krakaus während des zweiten Weltkrieges zu besuchen ist. Weiter geht’s ins alte Judenviertel Kazimierz über der Wisla, wo vor Einmarsch der deutschen Truppen ein Großteil der 65.000 Juden Krakaus wohnten. Hier ist die Geschichte sehr lebendig, vor allem auch, weil neben den historischen Gebäuden viele Lokale an die Tradition dieses Viertels erinnern.

In der alten Synagoge gibt es eine Sonderausstellung zu den „Maccabees of Sport“ – also den jüdischen Sportvereinen, eine Chance, die ich mir freilich nicht entgehen lasse. Hier bestätigt sich auch meine Vermutung vom Vortag, dass Cracovia-Fans noch heute die jüdischen Mitspieler der Vergangenheit in Ehren halten und sich teils selbst als „jüdisch“ sehen (wie etwa Ajax Amsterdam und Tottenham Hotspurs). Krakau hatte jedenfalls zwei jüdische Fußballvereine, mit dem zionistischen Maccabi stark an Wisla und das dem jüdischen Bund verpflichtete Jutrzenka stark an Cracovia angelehnt und befreundet. Über Wawel und dem Walk of Fame des Independent Film Festivals von Krakau an der Wisla (mit den Handabdrücken von u.a. Luc Besson) geht’s nach einem Kaffee-Zwischenstopp dann weiter zum Stadion Miejski zum nachmittäglichen Match.

Die Arena ist sowohl von außen als auch innen ein kleines Schmuckstück, das an jenem Tag lediglich ein bissl Verzierung bräuchte: Nämlich Fans. Trotz der Billigaktion der Tickets sind eigentlich erschreckend wenig im Stadion, meine Schätzung wären knapp 10.000 Zuschauer, die dann durch die offiziellen Zahlen lediglich um 880 übertroffen werden. Beachtlich viele kommen dabei aus Gliwice und liefern sich mit den Wisla-Anhängern eifrige Sing-Gefechte. Lautstark sind jedenfalls beide Fanlager, Wisla, das – um mal wieder das Thema Freundschaften aufzuwärmen – ziemlich dick mit Lechia Gdansk ist, dabei sogar ziemlich kreativ.

Wenig später stellt sich allerdings der Grund für das geringe Zuschauerinteresse heraus: Wisla spielt wirklich Scheiße. Das Heimteam geht zwar bereits in der achten Minute in Führung, zeigt dann aber wirklich gar nichts mehr. Ein Elfer in der 20. Minute wird zwar noch abgewehrt und die Führung in die Pause gerettet, ein Doppelschlag rund um die 75. Minute leitet dann aber den Niedergang ein.
Untermalt wird dieser von der ersten Hoolaktion auf der Reise – gerade als ich dachte, ich könnte etwas unvorsichtiger in dem Bezug sein. Auf der Wisla-Tribüne geraten einige Gruppen immer wieder aneinander, teils mit echt heftigen Auseinandersetzungen. Dabei wird getreten, geschlagen und geboxt, die Security braucht dabei extrem lang, bis sie mal reagiert und dann halbherzig einschreitet.

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