KKS Lech Poznan – Lechia Gdansk 4:2

Stadion Miejski, 17.141 Zuschauer

Posen ist eine historisch extrem beladene, wenn auch über weite Strecken nicht sehr schöne Stadt. Ab dem 11. Jahrhundert erste Residenz der polnischen Könige, sind im Stadtzentrum noch einige Gebäude aus dieser Zeit erhalten. Abgelöst wurde Posen dann übrigens von der zweiten Station auf meiner Tour, Krakau.

Neben der Königsstadt ist auch der Aufstand gegen das stalinistische Regime im Jahr 1956 ein bestimmendes Thema, und durch das riesige – bereits 1981 errichtete – Denkmal unweit des Bahnhofs, auch nicht zu übersehen. Das dazugehörige Museum ist klein aber fein, wenn auch nicht gerade vor Informationen überbordend. Lustiges Detail, das ich aus dem Museum mitgenommen habe: Als die Parteizentrale gestürmt wurde, ist eine Lenin-Büste an die Wand gedreht und mit der Überschrift versehen worden: „Lasst ihn nicht mit ansehen, was die aus seiner Idee gemacht haben – er schämt sich.“ An anderer Stelle der Stadt sieht der alte Bolschewik hingegen wieder frohgemut in die Welt hinaus. 😉

Das Stadion Miejski (also schlicht städtisches Stadion) befindet sich per Tram eine gute Viertelstunde vom Bahnhof entfernt, zumindest, wenn man die richtige erwischt und sich nicht von der Haltestelle Arena täuschen lässt… Von außen ist das Stadion leider enttäuschend, nur eine Seite mag halbwegs zu überzeugen. Innen sieht die Sache schon wieder ganz anders aus, und das EM-Stadion von 2012 entwickelt seine ganze Pracht. Bis zu drei, ziemlich steil aufsteigende Ränge und eine echt beeindruckende Dachkonstruktion wissen zu überzeugen.

Statt knapp über 43.000 verirren sich heute nur 17.141 Zuschauer ins Stadion, das – so blöd es klingen mag – dennoch gut gefüllt wirkt. Dafür sorgen vielleicht auch die Fans, von denen, nicht zu unrecht, ja auch die ManCity-Anhänger zuletzt sehr angetan waren (auch wenn gerade die Engländer in Sachen Stimmung mittlerweile leider sehr schnell einmal zu beeindrucken sind). „Let’s do the poznan“ müsst somit für perfekte Organisation (allein, das im ersten Rang alle weiße und im zweiten alle blau Überkleidung tragen, zeigt das z.B.) und unglaubliches Singvergnügen stehen.

Letzteres machen sie wirklich extrem laut, eingepeitscht von lediglich einem Vorsänger (der sich eigentlich ziemlich im Hintergrund hält) und zwei Trommlern, die ihr Handwerk verstehen. Immer wieder gibt es auch Gesänge, in denen der Spitzname der Fans („Kolejorz“ – lokaler Slang für „die Eisenbahner“) vorkommt. Mag schon sein, dass es auch an den völlig mangelnden Polnisch-Kenntnissen liegt, aber irgendwie nützen sich die Gesänge ziemlich schnell ab und werden fad, zumindest bei mir. Es ist eigentlich alles nach derselben Melodie, wenn auch perfekt vorgetragen.

Natürlich wissen diverse Klatsch- und Hüpf-Choreos zu gefallen, ebenso wie das kollektive Mit-dem-Rücken-zum-Spielfeld-Springen, dennoch leiert alles schnell aus. Nett ist jedenfalls, dass auch ich auf der Haupttribüne das ganze Spiel über stehe, lediglich auf der noch höherpreisigen Gegenseite gibt es einige Seating-Areas. In ganz anderen Gefilden bewegt sich anscheinend eine der VIP-Boxen (die unverständlicherweise immer wieder auf den Großbildschirmen eingeblendet wird), denn dort findet während der zweiten Halbzeit offensichtlich eine Bauchtanz-(!)-Vorführung statt.

Das Spiel ist leider nur in den ersten 45 Minuten unterhaltsam, in deren erster halber Stunde die Gastgeber mit 3:0 in Führung gehen. Nach der Pause wird lange Zeit das Ergebnis schlicht verwaltet, bis Gdansk der Anschlusstreffer gelingt. Das 4:1 kurz vor Schluss – wenn auch gefolgt vom direkten Gegenschlag – bringt dann die endgültige Entscheidung für Lech.

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