Stadio Giovanni Zini, ca. 9.000 Zuschauer
Es werden andere Saiten aufgezogen am Samstag. Und zwar nicht besonders wohlklingende. Elf Primageiger versuchen zwar ihr bestes, aber mehr wie eine wohlfeile Publikumsbeschimpfung schaut dabei nicht heraus. Heute hätten die Heimischen noch lange weiterspielen können, und dennoch nichts getroffen – weder Ton noch Tor.
Cremona ist DIE Stadt des Geigenbaus: Die Familien Amati, Bergonzi, Guarneri und Stradivari stellten hier Musikinstrumente her. Ab 1535 war es mit Unterbrechungen immer wieder auch im Besitz der spanischen Habsburger. Prinz Eugen führte hier eine tückenreiche Schlacht im spanischen Erbfolgekrieg an, die bemerkenswerterweise auf beiden Seiten vor allem von irischen Söldnern geschlagen wurde.
1922 erlangte Cremona unrühmliche Bekanntheit als eine der ersten Städte Italiens, in denen Rechtsextremisten die Macht übernahmen. In der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober, noch bevor Mussolinis Marsch auf Rom offiziell begann, besetzte der Kommandant der Faschisten Cremonas, Roberto Farinacci, mit seinen Schwarzhemden die strategischen Punkte der Stadt. Der besonders radikale Farinacci gerierte sich lang als „Anti-Duce“ und verfolgte ein offen antisemtisches Programm. 1945 wurde er von Partisan:innen verhaftet und am 28. April erschossen.









Die Unione Sportiva Cremonese wurde 1903 in einer lokalen Gaststätte gegründet und spielte die ersten elf Jahre ihres Bestehens in Lila-Weiß. 1914 wechselte der Verein auf das heute so identitätsstiftende, weil seltene, Grau-Rot. Von ihren mittlerweile 123 Jahren verbrachte US lediglich neun in der höchsten Spielklasse, zum letzten Mal im Vorjahr. Als Besonderheit darf sich der Verein Gewinner des (ab 1970 ausgetragenen) Anglo-italienischen Cups bezeichnen. 1992/93 wurde Derby County im Finale 3:1 besiegt.
Das heutige Stadion bespielt der Klub seit 1919, 1925 wurde es nach dem im Ersten Weltkrieg gefallenen Torhüter der US benannt. Ursprünglich mit einem Fassungsvermögen von etwa 20.000 Menschen versehen, sind nach diversen Umbauarbeiten nur mehr knapp 15.000 erlaubt.
Cremonese-Fans sind mit Sicherheit leidensfähig. Doch das heute gezeigte spannt wohl auch ihre Geduld aufs Äußerste. Das Heimteam ist nicht einmal so schlecht im Spiel, doch verfügt es über beachtlich viele Spieler, die vor allem im Angriffsdrittel so gut wie immer die schlechtesten aller möglichen Entscheidungen treffen. Viel zu oft wird von den Seiten eine weite Flanke hoch über den gesamten 16er geschlagen, und so der ganze Offensivwind aus den Segeln genommen. Für den Gegner ist dieses Spiel viel zu leicht ausrechenbar. Die wenigen klaren Chancen vergeben die Grau-Roten noch dazu zu leichtfertig. So reicht Juve Stabia ein früher Treffer in der ersten Halbzeit, um die drei Punkte mit in den Süden zu nehmen.
















