Stadio Danilo Martelli, 8.224 Zuschauer
Eine Stadt, die in der Tiroler Landeshymne mehrfach besungen wird, müsste eigentlich grundsätzlich skeptisch machen. Doch als naiver Reisender werden selbst solche Warnzeichen in den Wind geschlagen, um dann teuer dafür zu bezahlen. Immerhin entschädigte das Stadionerlebnis für sonstige Enttäuschungen der touristischen Art.
„Endlich ist es möglich, in Mantua friedlich zu sterben“, verheißt die wohl ehrlichste Werbung, die ich auf meinen Rundgängen so gesehen habe. Die heute rund 50.000 Einwohner:innen zählende Stadt geht bereits auf die Etrusker zurück und gilt als Vergils Geburtsstadt. Shakespeares Romeo wurde hierher verbannt und langweilte sich laut unbestätigten Gerüchten fast zu Tode. Wohl eher nicht gelangweilt, aber doch gestorben ist hier auch der eingangs besungene Andreas Hofer.
Grundsätzlich ist das historische Zentrum Mantuas auch absolut einen Besuch wert. Dennoch versprüht es durchgängig eher den Charme einer Geisterstadt. Alles wirkt hier, als warte es auf Massentourismus a la Venedig oder dergleichen. Für die wenigen Menschen, die unterwegs sind, sind die Plätze viel zu groß und weitläufig. Überall ergreift einen dadurch das Gefühl der Verlorenheit.
Bis auf die wenigen verkehrsberuhigten Zonen ist Mantua zudem auch noch absolute Autostadt. Rund um die Seen wurde ein Schnellstraßenring gezogen, und selbst durch die engsten Gassen flitzen Autos mit 50 km/h und mehr. Idylle fühlt sich jedenfalls anders an.













Die große Zeit des Fußballs in Mantua schlug ab der Saison 1961/62 für rund zehn Jahre. Sieben Spielzeiten verbrachte der Verein in dieser Phase in der Serie A und trug aufgrund des attraktiven Spielstils den Spitznamen „Piccolo Brasile“, also „kleines Brasilien“. Dass der Klub momentan nicht mehr mit dem Gründungsnamen AC Mantova antritt, liegt an der insgesamt vierten Insolvenz vor neun Jahren. Erst 2024 wurde wieder die Serie B erreicht, in der momentan um den Aufstieg mitgespielt wird. Das Stadion ist nach einem Spieler aus der Region benannt, der beim Superga-Unglück des FC Torino verstarb.
Konnte ich am Sonntag Cremonese noch dabei beobachten, wie 90 Minuten völlig gefahrlos Fußball gespielt werden kann, so machen sie ihre Sache heute deutlich besser. Quasi mit dem ersten Spielzug steht es 1:0, danach wird ruhig und bedacht auf die Reaktion der Gastgeber gewartet. Doch die kommt nicht. Als ab der 75. Minute doch noch etwas Offensivgeist die Weiß-Roten erfasst, fällt aus einem Konter auch noch das 0:2. Danach wird sogar noch ein Spieler von Cremonese mit Gelb-Rot vom Platz gestellt, das Tor für Mantua bleibt allerdings wie vernagelt.
Für eine wirklich schwache Vorstellung ihrer Mannschaft supportet die Kurve – bis auf einen Boykott in den ersten 15 Minuten – wirklich gut. Nur selten geht auch das gesamte Stadion mit. Auf der Gegengeraden unterhält dafür ein (auch?) Rot-Weiß-Essen-Fan mit seinen deutschen Schimpftiraden die anderen Besucher:innen.












