Arena Civica Gianni Brera, ca. 400 Zuschauer
Eine Spielstätte, die lange nicht mehr mit einem Match besucht werden konnte und Geschichte geradezu atmet, ließ mich am Sonntag alle anderen Optionen in den Wind schlagen. Mit einem Serie-A-Spiel der Inter-Frauen war das Match zudem auch geradezu hochkarätig. Der Fanandrang blieb trotz Gratis-Eintritt aber doch eher überschaubar.
Ob der frühen Ankickzeit und wegen der gelegen kommenden örtlichen Nähe wurde nach dem Spiel noch das Castello Sforzesco besichtigt. Dieses wurde ab 1450 von Francesco I. Sforza an der Stelle der ehemaligen Visconti-Burg errichten lassen. Von den spanischen und österreichischen Herrschern wurden die Befestigungsanlagen danach weiter ausgebaut. Im März 1848 wurde es im Rahmen der Aufstände gegen die Habsburgerherrschaft vom Volk gestürmt.










Die 1807 fertiggestellte Arena Civica wurde zwei Jahre zuvor von Napoleon Bonaparte in Auftrag gegeben und er war auch zu ihrer Einweihung anwesend. Für den Bau wurden die Steine aus dem Abriss der spanischen und österreichischen Verteidigungsanlagen verwendet, womit das gesamte Stadion aus recyceltem Material besteht. Im 19. Jahrhundert gastierten hier etwa die Wild-West-Show von Buffalo Bill, aber auch Pferderennen und andere Zirkusshows. Am 30. Mai 1909 endete in dieser Anlage der erste ausgetragene Giro d’Italia und 1910 fand das erste Spiel der italienischen Fußballnationalmannschaft in diesem Stadion statt (gegen Frankreich, 6:2).
Von 1930 bis 1947 diente die Arena Inter Mailand als Heimstätte, von 1941 bis 1945 zusätzlich auch dem AC Mailand. In diese Zeit fallen aber auch durchaus unrühmliche Ereignisse: Im Dezember 1943 wurden neun Antifaschisten als Rache für das erfolgreiche Attentat auf den Mailänder Faschistenführer Aldo Resega in der Spielstätte hingerichtet. Bei einem im Juli 1944 hier ausgetragenen Freundschaftsspiel zwischen AC Mailand und Juventus Turin wurde die Arena von deutschen Soldaten umstellt, 300 männliche Zuschauer im wehrfähigen Alter herausgefischt und nach Deutschland transportiert. Manche landeten in Arbeitslagern, offenbar einige aber auch in Konzentrationslagern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Stadion zusehend weniger genutzt, wenn dann meist für Leichtathletikevents. Ab und an trugen auch unterklassige Fußballteams ihre Spiele hier aus, zwischendurch auch Rugbymannschaften. Seit zwei Saisonen ist es nun Heimat der Inter-Frauen, zumindest bei nationalen Matches.
Trotz des niedrigen Andrangs ist die Stimmung beim Spiel durchaus gut. Inter wird auch von einer kleinen, aber feinen Fankurve unterstützt, die sogar über eigenen Merchandise und eine eigens gestaltete Fahne verfügt. Auch wenn das klare Ergebnis etwas täuschen mag, so haben die Nerazzure das Match doch fast durchgängig unter Kontrolle. Das erste Tor wird nach VAR-Kontrolle doch gegeben, die anderen beiden fallen auch noch in der ersten Halbzeit.





















