Willem II – Sparta Rotterdam 4:0

Koning Willem II stadion, 14. 250 Zuschauer

Spätestens bei der Rückreise über den Bahnhof Breda wird klar, dass zumindest unter niederländischen Sicherheitskräften die Stimmung momentan etwas angespannt ist. Wird doch die Station gerade geräumt (erkennbar an entsprechenden Durchsagen und Dauersignalton), als unser Zug einen kurzen Zwischenstopp darin einhält. Wie sich später herausstellt, war dafür eine „verdächtige Tasche“ verantwortlich. Es ist nicht das einzige Erlebnis dieser Art am heutigen Tag.

Tilburg war im 17. Jahrhundert ein Zentrum der niederländischen Woll- und Textilindustrie. Da bis ins 19. Jahrhundert für den Produktionsvorgang menschlicher Urin benötigt wurde, und die Arbeiter diesen in Krügen mit zur Manufaktur nehmen mussten, haben die Einwohner bis heute den spöttischen Spitznamen „Kruikenzeikers“ (Krugpinkler) anhängen. Ungeachtet dessen erklärte Willem II, der zweite König der Niederlande kurzfristig zu seiner Residenz, wodurch die Stadt seinen Namen bis heute hochhält – unter anderem auch in seinem lokalen Fußballverein.

Im Gegensatz zum Vortag geht sich heute auch eine Stadionbesichtigung untertags aus, wobei knappe fünf Stunden vor Anpfiff alle Außenabsperrungen sperrangelweit offen stehen und uns sehr nah an den Bau heranlassen. Bei der Rückkehr am Abend hat man sicherheitstechnisch dann offenbar bereits etwas nachgerüstet: Das Fotografieren des Stadions macht uns offenbar so verdächtig, dass ich von Zivilpolizisten perlustriert werde, der zu diesem Zeitpunkt rund 20 Meter entfernt stehende Freund von Uniformierten. Erst nach Befragung und Abfotografieren aller möglichen Dokumente können wir doch noch wie geplant das Spiel besuchen. Ob für diese Amtshandlungen der Messerangriff auf drei Jugendliche in Den Haag am Tag davor verantwortlich ist, oder es sonstige Warnungen gibt, erschließt sich uns allerdings nicht.

Wesentlich entspannter geht es zum Glück auch heute im Stadion zu: Bereits bei meinem Besuch in Arnheim waren mir die Tilburger Fans positiv aufgefallen – dies können sie auch nochmals bestärken. Zwar lässt sich zum erfrischenden Spiel ihrer Mannschaft relativ leicht jubeln, dennoch überzeugen die Anhänger sowohl bei Lautstärke als auch Kreativität auf allen Linien. Besonders gefällig ist freilich ihre „Bella ciao“-Version, bei der das gesamte Stadion mitgeht. Aber auch bei anderen Liedern stimmen die anderen Tribünen freudig mit ein und sorgen immer wieder für eine ordentliche Atmosphäre. Von den zahlreich mitgereisten Sparta-Fans, die schrägerweise direkt neben dem Heimsektor untergebracht sind, ist über die gesamte Spielzeit gar nichts zu hören.

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