TSV 1860 München – FC Energie Cottbus 2:0

Städtisches Stadion an der Grünwalderstraße, 15.000 Zuschauer

„I hob 1860 und ondere Geisteskrankheiten“, so erklärt einer der Stammbesucher auf der Stehhalle Nord einem Bekannten, warum er nächsten Mai bereits mit 63 in Pension gehen wird. Ein Teil der Therapie wird wohl in noch intensiverer Pflege des eigentlichen „Übels“ bestehen. Man kann seinen Ruhestand sicher schlechter verbringen.

Die Stadt und „sein ganzer Stolz“ (so zumindest heißt es in einem der Vereinslieder) warten mir offenbar bei jedem Besuch mit Kälte und Unwirtlichkeit auf – egal ob im August oder Februar, als ich damals am kältesten Tag des Jahres ebenfalls ein 2:0 gegen Cottbus erleben durfte. Vor knapp sieben Jahren spielte 1860 allerdings noch in der ungeliebten Allianz Arena vor den Toren der Stadt.

Erst der letztjährige Absturz in die Viertklassigkeit ließ die Löwen wieder ins Arbeiterviertel Giesing in Münchens Süden zurückkehren. Eben dieser Stadionwechsel war dann freilich auch für mich der Grund zum erneuten Besuch. Aufgrund des dauerhaften Regens gestaltet sich der Spaziergang durch den Stadtteil allerdings eher zäh.

Das Stadion ist mitten im Wohngebiet, man könnte sogar fast von versteckt sprechen. Bei Annäherung vom Süden auf der Grünwalderstraße sieht man es etwa erst sehr spät, auch weil hier die markanten Flutlichtmasten von anderen Häusern verdeckt werden. Aus der Nähe „schreit“ einen der Bau dann aber alleine aufgrund seines Old-school-Flairs aus voller Kehle an. Der wilde Tribünen-Mischmasch rund um das Stadion beeindruckt zumindest von Außen. Von einer Hintertortribüne, die auch auf jedem Dorfplatz stehen könnte, bis zu gewaltig wirkender Hintertorkurve ist hier einfach alles vorhanden. Der Atmosphäre ist dieses Durcheinander aber wohl nicht immer nur zuträglich.

Dennoch hat der Umzug ein altes Feuer wieder entfacht, auch wenn der sofortige Wiederaufstieg in den professionellen Fußball dazu auch einiges beigetragen hat. Nicht umsonst ist die Zuschauerzahl heute höher als bei meinem letzten Besuch, damals allerdings in der zweiten Liga. Mit 15.000 Fans ist das Spiel zudem heute auch ausverkauft. Daher kann das Stadion für die Löwen auf lange Sicht auch nur eine Zwischenlösung sein, höchstens man begnügt sich länger mit dritter Liga.

Wie schon in der Arena kommt man sich bei 60 auch an der Grünwalderstraße wie in einem lebendigen Fußballfan-Museum vor. Kuttenfans in Hülle und Fülle, Lieder fast vollständig unverseucht von modernen Einflüßen, dafür aber selbst auf den Geraden begeistert mitgesungen. Spätestens nach dem 2:0 für die Gastgeber steppt hier der Bär … äh … Löwe. Die zahlreichen Auswärtsfans haben dann nur mehr wenig zu melden.

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