CA Barracas Central – CA Acassuso 2:0

Estadio Claudio „Chiqui“ Tapia, ca. 500 Zuschauer

Eine Stadt in Aufruhr: So lässt sich Buenos Aires auf den ersten Blick wohl am besten beschreiben. Weniger Moloch als gedacht, dennoch im Zentrum noch voller Wunden der letzten Nacht. Wirklich ruhig und wirklich schön ist es hier (bisher) nirgends, aber das soll ja durchaus auch ein Markenzeichen von Südamerika und deren Metropolen sein.

Untertags wurde jedenfalls das Zentrum mit Präsidentenpalast und sonstigen repräsentativen Gebäuden besichtigt. Noch in der Nacht davor hatte hier eine größere Demonstration für den Mapuche-Aktivisten Santiago Maldonado stattgefunden, der seit über einem Monat verschwunden ist. Diese mündete dann auch in gewaltsame Ausschreitungen, deren Spuren in der Früh erst nach und nach beseitigt werden. Während die zahlreichen Poster bereits großteils wieder von den Schaufenstern gekratzt wurden, werden die ebenso endlosen Graffitis, die nach dem Verbleib Maldonados fragen, hier wohl noch länger sichtbar bleiben.

Der Präsidentenpalast in Buenos Aires
Der argentinische Kongresspalast

Danach geht es dann zum ersten Kick auf argentinischem Boden, aufgrund des Länderspielwochenendes „nur“ ein Drittligaspiel. Das Stadion des Club Atletico Barracas Central befindet sich in unmittelbarer Nähe des Blumengroßmarktes von Buenos Aires und hat mit dem Stadion von Huracan zudem noch einen großen Bruder in Steinwurfweite. Die Gegend an sich ist eher heruntergekommen, vor allem kurz vor der Endstation des Busses bekommt man Einblick in eher ärmere Viertel der Stadt.

Die Stadionkassa hat eine Stunde vor Anpfiff zwar bereits offen, aber nur für „la prensa“ – also Akkreditierungen. Jedenfalls erstaunlich, wie viel Presse hier so ein unterklassiger Kick anzieht. Ebenso beeindruckend ist nur noch die Polizeipräsenz, auch wenn ich nicht den Eindruck bekomme, dass sie tatsächlich nötig wäre. Dennoch wird der Schiedsrichter ständig von vollstaffierten Beamten mit Plastikschildern begleitet und an den Ecken sind jederzeit Polizisten platziert.

Der 1904 gegründete Klub spielte sogar 15 Saisonen lang in der ersten Spielklasse, allerdings nur von 1920-1934. Danach fristete er sein Dasein in unteren Klassen, nun eben in der Primera B. Dennoch hat er erstaunliche Zugkraft, vor allem auch einen gar nicht so kleinen Hardcore-Fanblock. Dieser singt über weite Strecken des Spieles und mit den Überrollfahnen über den Sektor gibt es wohl auch schon einen ersten Eindruck von argentinischer Fankultur hier. Insgesamt trifft aber die klubeigene Beschreibung von „familiärer Atmosphäre“ hier bestens zu.

Die Gastgeber gehen durch einen Elfmeter nicht ganz verdient in Führung, auch wenn die bis dahin überlegenen Gäste danach rasch zurückfallen. Zudem wird auf der anderen Seite in Hälfte zwei dann auch noch ein Elfmeter vergeben, ehe Barracas sogar noch den zweiten Treffer nachlegen kann.

Für Erstaunen sorgt übrigens mein Auftritt in der Kantine, wo es eine Argentinierin fast nicht fassen kann, einmal einen leibhaftigen Österreicher vor sich zu sehen… Ich hoffe doch, einen guten Eindruck hinterlassen zu haben.

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