Granada CF – UD Las Palmas 3:2

Estadio Nuevo „Los Carmenes“, 22.369 Zuschauer

Erst seit fünf Jahren spielt Granada CF wieder in der höchsten Liga Spaniens, nachdem der Verein davor sogar zwischenzeitlich bis in die vierte Liga abgestürzt war. Ausschlaggebend für den Wiederaufstieg war nicht zuletzt die Umwandlung in eine Art „Franchise“ von Udinese Calcio, das der selben italienischen Unternehmerfamilie gehört, im Jahr 2009. Als Teil eines internationalen Scoutingnetzwerks hält sich der Verein nun erstaunlich stabil in der Primera Division, auch wenn er heuer wieder um den Abstieg spielt. Es ist halt immer wieder, so ein Klubmotto, „Una lucha eterna“ – ein ewiger Kampf.

Für vieles mag Granada berühmt sein, für seine Stadtbahn ist es eher berüchtigt, zumindest in Spanien. Bereits 2012 sollte diese in Betrieb gehen, 2014 war ein neuerlicher Startbeginn angekündigt, fahren tut sie bis heute nicht. Die verwaisten Stationen und teils völlig fertig verlegte Trasse bieten auf dem Weg ins historische Zentrum ein teils gespenstisches Bild.

Wesentlich funktionstüchtiger zeigt sich hingegen die weltberühmte Stadtburg Alhambra, die ich aufgrund der bereits bis Juni ausgebuchten Internet-Tickets und der für meinen Geschmack zu langen Schlangen beim Eingang nur von Außen umrundet habe. Allein da lässt sich aber schon die islamische Baukunst erahnen, nicht zuletzt wegen der Wasserläufe bis runter in die Stadt.

Das Stadion befindet sich doch etwas außerhalb des historischen Zentrums, die Stadtbahn würde prinzipiell beides verbinden – eben mit Betonung auf „würde“… Vom Außenauftritt erinnert es ein bisschen an das Estadio Anoeta in San Sebastian und kommt ebenso wie ein in der Sowjetzeit hängengebliebenes Relikt daher. Die dafür ebenfalls ausschlaggebenden Flutlichtmasten sieht man als markantes Landmark in weiten Teilen der Stadt. Innen besteht es aus drei Rängen, die Kurven sind erst vor Kurzem geschlossen worden, teils halbwegs professionell, teils eher windig und billig mit Stahlrohrkonstrukten.

Zum vorletzten Heimspiel der Saison sind überdurchschnittlich viele Zuschauer gekommen, das Spiel ist fast ausverkauft. Vielleicht auch gerade wegen der engen Tabellensituation – aber auch sicher wegen dem Spielverlauf – ist es stimmungsmässig eines der besten Spiele, das ich in Spanien bisher gesehen habe. Nach zwölf Minuten führt Las Palmas bereits 2:0, das Heimpublikum ist entsetzt und wütend.

Mein Teil der Tribüne kümmert sich in dieser Phase vor allem um den Gästesektor, den unter anderem einige ältere Herren auch zu stürmen versuchen. Grund dafür ist offenbar speziell ein Gästefan, der zu sehr provoziert hat. Mit lautstarken „Fuera“-Rufen von rund einem Viertel des Stadions konfrontiert, fühlt sich die Polizei schließlich bemüßigt, den Herren abzuführen und tatsächlich des Sektors zu verweisen. Mit den Old school hooligans wäre sonst wohl nicht mehr zu spaßen gewesen.

Bald dreht sich die Stimmung aber wieder ins Positive, denn nach 20 Minuten fällt der Ausgleich – unglaublich lautstark wird er gefeiert, erstmals kommen „Si se puede“-(„Ja wir schaffen es“)-Rufe auf. Sie werden nicht mehr verstummen. Generell ist die erste Halbzeit extrem schnell geführt, was die Atmosphäre wohl noch extra anheizt. Durchgang zwei ist dann etwas gemächlicher, auch der Siegtreffer in der 71. Minute wird im Vergleich zu den ersten beiden Toren fast schon gelassen zelebriert.

Auch die Gästefans versöhnen sich als Kollektiv noch mit den Rot-Weißen, als sie zu Wiederanpfiff Granada per Gesang zum (allerdings noch immer nicht komplett gesicherten) Klassenerhalt gratulieren. Deshalb bleibt dann wohl auch der Platzsturm, auf den sich die Securities in den letzten Minuten offenbar bereits vorbereiten, aus.

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