FC Petrolul Ploiesti – FC Universitatea Cluj 1:0

Stadion Ilie Oana, 3.500 Zuschauer

Ploiesti ist die rumänische Erdölhauptstadt und liegt rund 60 km nordöstlich von Bukarest. Vom Südbahnhof bis ins Zentrum zieht sich ein großer, begrünter Boulevard, der herzlich zum Flanieren einlädt. Auch sonst kommt hier extrem südländisches Flair auf – nicht zuletzt ob der Sonne, die auf dem Weg hierher wieder die Wolken vertrieben hat und ihre ganze Kraft entfaltet.

Generell ist die Stadt in einem besseren Zustand als die Hauptstadt – scheint so ein typisches Ex-Ostblock-Phänomen zu sein, wo die Großstädte immer zu einem Moloch mit wenigen Highlights verkommen. Bedeutend weniger Gebäude sind verfallen, die innerstädtische Fuzo ist geradezu nett, lediglich die Sozialbauten gen Norden machen nicht unbedingt den frischesten Eindruck.

Da ich das Erdölmuseum der Stadt nicht finde, verbringe ich die Zeit bis zum Spiel auf den Straßen und höre unter anderem älteren Herren beim heftigen Streiten über das mögliche CL-Finale zu. Real – Barca wird offenbar jedenfalls stärkstens bevorzugt, eine Minderheit sieht auch noch Chancen für Juventus, von den Bayern ist hingegen keine Rede… Die Rumänen werden wohl nicht irren.

Vor dem Stadion – das von außen wie von innen allen modernsten Standards entspricht – werd ich schon von zwei Rumänen empfangen, die unbedingt mit mir kommunizieren wollen. Wegen nicht kompatibler Sprachkentnisse scheitert dies allerdings, trotz einer Ehefrau der beiden als „Telefonjoker“ und Übersetzer. Daher schlage ich auch die, wohl wirklich gastfreundlich gemeinte, Einladung zu einem Kaffee aus, nehme lediglich die Hilfe beim Kartenkauf dankend in Anspruch.

Einer der beiden redet dennoch noch knapp eine halbe Stunde auf mich ein, verstehen kann ich allerdings allenfalls ein paar Bruchstücke. Den anderen Kollegen seh ich nachher wieder in einem lautstarken und heftigen Wickel mit der Polizei, so friedfertig dürfte er dann doch nicht gewesen sein – wobei das Anlegen mit knapp zehn Bullen wohl in keinem Land als besondere Blitzgneißeraktion durchgehen würde.

Stimmungsmässig ist das Spiel weit über jenes von Viitorul zu stellen – auch wenn das Stadion bei Weitem nicht ausverkauft ist. Allein die – nicht endenwollende und herzhaft mitgesungene – Klubhymne zu Beginn erzeugt eine verdammt feine Stimmung. Dann kommt von den Gastgebern lange Zeit nichts, auch weil offenbar deren Hardcores im Streik sind. Die rund 50 Gäste aus Cluj reizen die Petrolul-Anhänger allerdings so lange, bis die „Normalos“ immer wieder Gesänge anstimmen – nicht gerade zu meinem Schaden. In der zweiten Halbzeit bildet sich auf einer der Hintertortribünen spontan sogar sowas wie ein Stimmungsblock, der das ganze Stadion immer wieder mitreißt.

Auch spielerisch weiß das Match weit mehr zu gefallen, mit immer wieder großen Vorteilen für die Mannschaft aus Cluj, der wegen einem Abzug von 24 (!) Punkten ja der Abstieg droht. Das einzige Tor des Spiels erzielt dann dennoch Petrolul.

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