FC Viitorul Constanta – Dinamo Bucuresti 0:2

Stadion Concordia, ca 2.000 Zuschauer

Bevor es am Abend nach Chiajna – einem Vorort der rumänischen Hauptstadt – ging, wurde noch schnell ein erster Blick auf Bukarest geworfen. Zusammenfassung: Riesig, unübersichtlich, dezentral, großteils zerfallen und ab und an gigantomanisch. Letzteres lässt sich vor allem über die erste Anlaufstelle der Besichtigungstour sagen, dem „Palast des Volkes“ von Langzeitdiktator Nicolae Ceausescu.

Rund 20.000 Arbeiter bauten am – nach dem Pentagon – zweitgrößtem Verwaltungsgebäude der Welt fünf Jahre rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb, bis zur Hinrichtung Ceausescus. Eine Million Kubikmeter Marmor und 3.500 Tonnen Kristall wurden für den Palast etwa verbraucht, und das Gebäude ist dennoch noch immer nicht fertig. Vom Balkon Richtung (damals) „Straße des Sieges des Sozialismus über den Kapitalismus“ wollte der Staatschef seine Reden an sein Volk halten – ihm selbst kam da allerdings eine Gewehrkugel dazwischen, dafür sprang Michael Jackson nach einem Bukarest-Konzert ein.

Nach der Revolution 1989 wurde kurz der Abriss des Gebäudes überlegt, stattdessen wird es jetzt als Parlament und Veranstaltungszentrum genutzt. Bei einer Führung kann man rund 5 Prozent des Gebäudes besichtigen, was sich jedenfalls eindeutig auszahlt.

Chiajna (sprich: Tschesna) grenzt zwar direkt an Bukarest, öffentlich ist es aber sehr schlecht zu erreichen. Daher wähle ich hier das (sehr billige) Taxi als Beförderungsmethode und komme bei der Rückfahrt zum Genuss, meine Spanisch-Kenntnisse wieder ein bissl aufzufrischen, weil der Taxler zufällig ein Jahr auf Mallorca gearbeitet hat und sein Englisch nicht wirklich gut ist. Der glühende Steaua-Fan ist nach der Fahrt jedenfalls – wohl auch ob des guten Trinkgelds – begeistert von mir.

FC Viitorul ist eigentlich in Constanta am Schwarzen Meer daheim, der 2009 von der rumänischen Fußballlegende Gheorghe Hagi gegründete Verein zog aber 2013 in die Nähe der Hauptstadt und teilt sich hier das Stadion mit Concordia Chiajna. Zuschauermagnet ist der vor allem auf die Förderung von Jugendspielern spezialisierte Verein nicht unbedingt, Spiele gegen Bukarester Vereine bilden da eher die Ausnahme. Auch heute sind wohl mindestens zwei Drittel der Anhänger auf Seiten der Gäste.

Komplikationen gibt es kurz wegen meiner Karte – die ich eigentlich extra für einen neutralen Sektor wollte. Im Stadion merke ich aber aufgrund der Sicherheitsbestimmungen (rumänische Securities sind alles andere als ruhige Gemüter) sehr rasch, dass ich ein Ticket für einen Hardcore-Sektor von Dinamo bekommen habe. Ein Risiko, dass ich zumindest bei meinem ersten Match in Rumänien nur sehr ungern eingegangen wäre. Ein Polizist – dessen Stiefvater, wie sich in weiterer Folge herausstellt, in Rohrbach/OÖ arbeitet – geleitet mich daher dann nach Rücksprache mit seinem Vorgesetzten auf die Haupttribüne. Echt ein netter Einstieg hier 🙂

Eher weniger berauschend ist allerdings die Spielkultur. Das Match ist über weite Strecken auf schwachem Niveau und wird mit wenig Tempo gespielt. Dinamo geht vor allem aufgrund der besseren zweiten Hälfte als verdienter Sieger vom Platz. Fantechnisch fallen nur die Rot-Weißen auf, machen sogar richtig gute Stimmung, sorgen allerdings durch Affenlaute für einen Viitorul-Stürmer auch für den absoluten Negativpunkt des Spiels.

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