VFC Plauen – 1. FC Magdeburg 3:3

Sternquell-Arena, 1.249 Zuschauer

Die Entfernung kann noch so groß sein, die Welt ist dennoch klein: Mir gegenüber im Sechserliegewagen liegt der Kassier jener OMV-Tankstelle, die vereinsamten Krone-Schreiberlingen immer wieder als Anlaufstelle für ihre Alkoholprobleme dient. Ob er mich bemerkt hat, ist fraglich, befindet er sich doch schon im süßen Schlafmodus, als ich in Meidling einsteige.

Eine Nacht und einen Kurzrundgang durch Dresden später lande ich in Plauen und atme erstmals die Luft des Bauern- und Arbeiterstaats. Vom Bahnofsareal (Bild1) bis hinauf in den Norden hat sich seit 89/91 glaub ich wirklich wenig getan in dieser Bergarbeiterstadt, die Wiederaufbaumilliarden floßen wohl eher in das südlich gelegene Stadtzentrum, das einen mittelalterlichen Charme (Bild2), durchbrochen von einigen DDR- und Post-DDR-Bauten, ausstrahlt. In der Mitte dieses Freiluftmuseums befindet sich der Ruhe und Besinnung ausstrahlende Tempel, hier „Stadt-Galerie“ genannt. Die fidele FDJ stellt dort – offenbar stündlich – bei einer Modeschau ihre neuesten Uniformen vor – diese Gleichmacherei, ekelhaft!

Das Vogtlandstadion, aka Sternquell-Arena, befindet sich natürlich im trostlosen Teil von Plauen, wo der Pöbel halt hingehört. Die ersten Anknüpfungsversuche an die lokale Bevölkerung verlaufen eher negativ. Ein Oldie („Ich bin Kurt“), der sich über den von Schnee gesäumten, abschüssigen Weg zum Stadion quält, gibt mir nach kurzem Smalltalk zu verstehen, dass er gern was mit einer 18-jährigen Österreicherin hätte (so kommt das bei mir zumindest an). Bei seinem Zustand jedenfalls keine gute Idee.

Und sonst? Kalt ist es, arschkalt, und umso näher das Spiel rückt kommt auch noch Nebel dazu. Perfektes Fußballwetter also. Bevor sich die Tore des Stadions für mich öffnen, darf ich auf dem Kiesacker alias Parkplatz noch eine Gruppe von „Verkehrskadetten“ bei ihren meist vergeblichen, aber wirklich sehr engagierten Versuchen beobachten, die ankommenden Autos dorthin zu dirigieren, wo sie laut Regeln parken sollten. 1.249 Zuschauer finden sich zu diesem  Spiel der Regionalliga, dessen Tabelle die Mannschaft eines mir völlig unbekannten Zuckerwasserherstellers aus Salzburg anführt, ein. Aus Magdeburg allein kommen einige Hundert, ich würd 400-500 schätzen. Und die Fans des einzigen Europacupsiegers der DDR (Cup der Cupsieger 1974 2:0 gegen AC Milan) sind auch die einzigen, die da Stimmung machen. Bei den Plauenern gibt es zwar in der „Badkurve“ (dahinter ist das städtische Freibad) einen Teenie-Fanclub, aber nach etwa einer halben Stunde stellt dieser den Support ein und ward nie mehr gesehen… In der zweiten Hälfte schwingt sich dann ein wandelnder Fanladen zum Einheizer auf der Haupttribüne auf und schafft es tatsächlich, die beiden gegenüberliegenden Sitzplatzbereiche zu einem Wechselgesang zu bewegen („Plauen“, wenig überraschend, „VFC“ – was übrigens für Vogtländischer Fußballclub steht – kurz zuvor war einfach zu kompliziert).

Zum Spiel: Auf niedrigem Niveau, aber ist halt auch nur vierte Liga. Der Spielverlauf hat es allerdings schon durchaus in sich: Magdeburg geht schnell 2:0 in Führung, Plauen gleicht nach Wiederanpfiff aber durch einen Doppelpack aus. In der 83. Minute erhöht FCM auf 3:2, im Gegenzug pfeift die Schiri – „anlässlich des Frauentags“ – allerdings Elfmeter für die Heimmannschaft, der auch verwandelt wird.

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