SK Kladno – Dukla Praha II 3:5

Stadion Frantiska Kloze, 817 Zuschauer

Meine Unterkunft in einem Hotel in – bis auf die modernisierten Zimmer – brutal altem Sowjet-Stil etwas außerhalb vom Prager Stadtzentrum hat mehrere Vorteile: Neben seiner extrem billigen Preise liegt es auch noch direkt an der S-Bahn-Linie 5, die mich zu meinem ersten Spielort des Wochenendes bringt.

Die Industriestadt Kladno liegt 25 km nordwestlich von Prag und ist im Zentrum um einiges ansehnlicher als ich eigentlich erwartet hätte. Wenige Kilometer entfernt befindet sich die Gedenkstätte an das 1942 von den Nazis völlig zerstörte Dorf Lidice. Als Racheaktion für das erfolgreiche Attentat auf Reinhard Heydrich, stellvertretender „Reichsprotektor“ von Böhmen und Mähren und Leiter der berüchtigten Wannseekonferenz, wurden unter Führung der SS außerdem auch fast alle männlichen Bewohner und Kinder ermordet und die Frauen in KZs verschleppt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Dorf etwas abseits wieder aufgebaut, das alte ist seitdem aber Erinnerungsstätte. Den Ort zu besuchen ist sich für mich heute aber leider nicht ausgegangen.

SK Kladno wurde 1903 gegründet und war 1925 der erste tschechische Erstligaklub außerhalb Prags. 1934 kegelte der Verein Inter Mailand aus dem Mitropacup, insgesamt brachte er es in seiner Geschichte aber auf nur vier internationale Spiele (nach zwei Runden 1934 noch ebensoviele 1938).

1969/70 endete für lange 36 Jahre auch die Zugehörigkeit zur ersten Liga. Die Rückkehr 2005/06 hielt auch nicht sonderlich lange an, momentan muss man sich gar mit der dritten Liga zufriedengeben. Die jahrzehntewährende Erfolglosigkeit hielt den Klub aber nicht davon ab, 1988 mit dem Umbau des Stadions zu beginnen. 17 lange Jahre sollte er dauern, und so richtig fertig ist das Ding bis heute nicht.

Trotz durchgängiger sportlicher Misere halten die Fans ihrem Verein dennoch in durchaus ansehnlicher Anzahl die Treue, wie man auch heute sieht. Lange wirkt es nach einer klaren Angelegenheit für die Zweitvertretung des Prager Traditionsklubs. Mit 0:3 geht es in die Pause, dem Anschlusstreffer folgt gleich darauf das 1:4.

Doch danach entwickeln die Blau-Weißen doch noch Spielfreude und drängen Dukla immer mehr in die eigene Hälfte. Das 3:4 wird enthusiastisch gefeiert, das Publikum hofft auf und schreit, klatscht, fiebert den durchaus möglichen Ausgleich herbei… In der zweiten Minute der Nachspielzeit aber dann der Stich ins Herz, das fünfte Tor für die Gäste bringt die endgültige Enscheidung.

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