CA Independiente – Millonarios FC 1:0

Estadio Libertadores de America, ca. 35.000 Zuschauer

Der König ist zurück in der Königsklasse: Sieben Jahre hat Independiente darauf warten müssen, wieder in der südamerikanischen Champions League antreten zu können. Beim momentanen Stand der Meisterschaft könnten sie sogar nächstes Jahr gleich wieder in die Copa Libertadores einziehen. Mit dem heutigen Gegner aus Bogota taten sie sich hingegen mehr als schwer.

Der Klub wird auch als „Rey de copas“ (König der Pokale) bezeichnet, weil er in Argentinien jener Verein ist, der die meisten internationalen Trophäen gewonnen hat. Zudem ist Independiente mit sieben Titeln in der Copa Libertadores Rekordsieger. Im Gegensatz zu den anderen Großen der Hauptstadt, der ja formal gar nicht innerhalb der Stadtgrenzen spielt, hat er aber meinem Eindruck nach dennoch eher wenig Ausstrahlkraft auf das gesamte Land aufbauen können. Zwar sind mir bei den Reisen durch Argentinien einige Independiente-Ableger aufgefallen, aber eben bei Weitem weniger als von den anderen Vereinen.

Das Stadion befindet sich südlich von Buenos Aires in Avellaneda und ist bei jeder Fahrt mit einer der Vorortelinien eindrücklich zu sehen. Wie schon im entsprechenden Bericht erwähnt, befindet sich Clasico-Partner Racing direkt nebenan. Die Karten für das heutige Spiel muss man ironischerweise auch an einer der Kassen des Erzrivalen erstehen. Einem der Mitwartenden ist dies nicht ganz so geheuer, scherzhafterweise merkt er an, dass er auf keinen Fall für einen Racing-Anhänger gehalten werden will.

Aus irgendeinem Grund ist mein Plastikticket nicht richtig aufgeladen, was an den Drehkreuzen für einige Verzögerung sorgt, schlussendlich aber wird mir dennoch Einlass gewährt. Auf meinem Platz kann ich auch bereits den kolumbianischen Fans beim Einsingen zuhören, die dabei auf den Widerstand zahlenmäßig noch weit unterlegener Heimfans stoßen. Sehr groß wird die Liebe zwischen den Vereinen jedenfalls nicht mehr werden.

Nach dem traditionellen Gruß der Independiente-Spieler (die vier Tribünen werden von der Mannschaft mit beiden nach oben gestreckten Armen empfangen) beginnt das Match mit einer Trauerminute für Spielerlegende Ruben Galvan, der am Tag zuvor verstorben ist. Sehr schnell zieht sich dann der uruguayische Schiedsrichter den Unmut der heimischen Fans zu, weil er die Gäste überhart einsteigen lässt, die Gastgeber teils aber bei Kleinigkeiten zurückpfeift. Dieses Verhalten ändert sich auch während des ganzen Spiels nicht mehr. Beim Abmarsch aus dem Stadion wird er von mehreren Fans schlicht als „schlechter Mensch“ beurteilt.

Obwohl die Anhänger der Roten mittlerweile klar in Überzahl sind, hört man die Kolumbianer das gesamte Spiel über. Teilweise sind sie sogar lauter als die Heimfans. Wenn diese allerdings loslegen, dann ist dies durchaus annehmbar – meist geht nämlich sofort das gesamte Stadion mit. Eine dieser Situationen ist freilich das 1:0, das die Gastgeber völlig verdient noch in der ersten Halbzeit erzielen. In der zweiten Hälfte wirken sie hingegen nervös und hätten sich über den Ausgleich auch nicht beschweren dürfen, auch wenn Millonarios alles andere als gut spielt. Dafür laufen in dieser Phase die heimischen Zuschauer zur Hochform auf und zeigen, dass sie es doch schaffen, die rund 2.000 blau-weißen Fans zu übertönen.

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