Racing Club – CA San Martin 0:0

Estadio Presidente Peron, ca. 27.000 Zuschauer

Einer guten, wenn auch erst seit Kurzem existierenden Tradition folgend habe ich auch heute die Gastmannschaft des vergangenen Sonntags besucht. Diesmal führte er immerhin auch zu einem der großen Vereine von Buenos Aires, auch wenn er eigentlich bereits außerhalb der Stadtgrenzen beheimatet ist (und deswegen auch den Zusatz „de Avellaneda“ im Namen trägt). Der Besuch war es allein schon wegen dem Stadion, dann aber auch noch wegen der Stimmung allemal wert.

Auch wenn (noch) keine U-Bahn bis nach Avellaneda fährt, zuerst aber noch einige Worte zur U-Bahn von Buenos Aires, die ein eigenes Mikro-Universum bildet: Sie besteht seit 1913, womit sie die erste auf der gesamten Südhalbkugel war, und verfügt mittlerweile über sechs Linien. Die Subte (oder in der Langversion Subterraneo) wird ebenfalls wie die Busse der Stadt mit der Magnetkarte „Sube“ bezahlt. Dieses System ist für einen Nicht-Einheimischen abseits von billig echt genial und leicht zu handhaben.

Die Stationen sind zwar nicht durchgängig die saubersten, aber absolut interessant gestaltet. Jede Linie verfolgt einem bestimmten Leitfaden, so sind die Stationen der Linie C, die die beiden größten Bahnhöfe miteinander verbindet, mit Landschaftbildern aus Spanien befliest. Linie B widmet sich der Kunst, auch durchaus der Populärkunst. Die modernste Linie H hingegen hat sich der lebendigen Künste verschrieben, in fast allen Stationen singen Bands oder Einzelkünstler und versuchen so die Gunst des Publikums – und damit auch ihre Peseten – für sich zu gewinnen. In anderen Stationen werden (meist militärische) Persönlichkeiten der argentinischen Geschichte vorgestellt und geehrt.

Die U-Bahn-Garnituren sind interessanterweise fast alle chinesischen Ursprungs. Teils sind offenbar auch noch am anderen Ende der Welt ausgemusterte Züge unterwegs, sehr viele sind allerdings ziemlich neu und dann auch meist mit Klimaanlage ausgestattet. Unterhaltend sind die Fahrten allein schon deshalb, weil sie meist Basar-Aufenthalten gleichen. Fliegende Händler (teils auch Bettler) bieten von Mehlspeisen über Kopfhörer, Kugelschreiber, raubkopierten DVDs/CDs bis hin zu Büchern so ziemlich alles an, was man sich denken kann. Etwas seltener bekommt man auch hier Künstler, etwa Rapper oder Clowns zu Gesicht, die ihre Show abziehen und dann Geld einsammeln. Fad wird einem so jedenfalls von Station zu Station nicht.

Avellaneda erreiche ich wie gesagt nicht mit der U-Bahn, sondern mit einem der Colectivos. Es ist eine von Schwerindustrie geprägte Vorstadt, in der sich auch immer wieder eher heruntergekommenere Stadtteile finden. Das besondere am Stadion von Racing ist seine direkte Nachbarschaft zum großen Rivalen CA Independiente, der nicht einmal 200 Meter weiter seine Spiele austrägt. Auf den Klubseiten führt das dann freilich dazu, dass die Vereine die Luftaufnahmen der Stadien aus der jeweils anderen Himmelsrichtung aufgenommen haben, um ja nicht die Konkurrenz auf dem Bild zu haben.

Das Estadio Presidente Peron, auch „El Cilindro“/der Zylinder genannt, ist jedenfalls absolut beeindruckend – besonders dann von innen. Genial ist vor allem der Stehplatzbereich, der sich auf beiden Seiten um das gesamte Oval herumschmiegt und somit bei voller Besetzung für Riesenstimmung sorgen muss. Aber auch bei eher schütterem Besuch wie heute muss das Publikum wenig Konkurrenz scheuen. Neben den Hardcorefans gehen auch die Sitzplatzbesucher immer wieder fanatisch mit Spielszenen mit und sorgen für Gänsehautstimmung. Noch dazu sind die Chants extrem eingängig und auch durchaus abwechslungsreich.

Leistungstechnisch schließt Racing allerdings eher an das Spiel vom vergangenen Sonntag an. Zwar bekommen die Himmelblau-Weißen einige Großchancen, wirklich zwingende Möglichkeiten können sie allerdings nicht herausarbeiten. Somit ist das 0:0 auch alles in allem ein absolut gerechtfertigtes Ergebnis.

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