CF Universidad de Chile – Deportes Iquique 1:0

Estadio Nacional de Chile, ca. 22.000 Zuschauer

1938 nach dem Vorbild des Berliner Olympiastadions erbaut, erlebte das Nationalstadion Chiles nach dem 11. September 1973 seinen traurigen Höhepunkt, als es monatelang als Konzentrationslager für das Regime von Augusto Pinochet verwendet wurde. „Un pueblo sin memoria es un pueblo sin futuro“ – ein Volk ohne Erinnerung ist ein Volk ohne Zukunft – steht daher über einem kleinen Sektor der, originalgetreu erhalten und immer leer, auch heute noch bei jedem Spiel an die damaligen Verbrechen erinnert.

In der an sich sehr kompakten Innenstadt von Santiago erinnert auch heute noch einiges an die damalige Zeit, allen voran freilich der damals von der Luftwaffe zerbombte Präsidentenpalast. Heute ist Chiles Hauptstadt vor allem äußerst widersprüchlich: Einerseits extrem modern und für eine südamerikanische Hauptstadt überraschend sauber. Ein engmaschiges Netz aus miteinander verbundenen Fußgängerzonen lässt entspannt durch die Straßen flanieren.

Andererseits spürt man aber sehr schnell auch die doch großen sozialen Spannungen im Land. Selbst in den schönsten Vierteln kann es schnell – und vor allem mit Anbruch der Dunkelheit – etwas ungemütlicher werden, auch wenn Chile zu den sichersten Ländern Südamerikas zählt. Arm und Reich sind hier viel durchmischter als ich es in den meisten anderen Metropolen bisher gesehen habe. Extrem heruntergekommene Häuser können sich schon an der nächsten Ecke befinden, von schmudeligem Rotlichtviertel zu Luxuskaufhaus sind es teils nur ein paar Meter.

CF Universidad de Chile ist einer der drei großen chilenischen Klubs, und bisher einziger Verein des Landes, der die Copa Sudamericana gewinnen konnte (2011). 1927 wurde er von Studenten gegründet, feiert heuer also sein 90-jähriges Bestehen. Gegen CSD Colo-Colo trägt „La U“ DEN Clasico des Landes aus, auch wenn es gegen CD Universidad Catolica ebenfalls durchaus hoch hergehen soll.

Das heutige Match hat insofern etwas Brisanz, weil es sich um den letzten Spieltag der Apertura (die hier Transicion heißt) handelt, und die Blau-Roten mit etwas Glück Colo-Colo noch vom ersten Platz stoßen könnten. Daher sind die Ränge auch sehr gut gefüllt. Um es aber gleich zu verraten: Trotz des Sieges landet Universidad nur auf dem dritten Platz, weil auch die beiden Führenden gewinnen.

Wie schon am vergangenen Sonntag kann mich das Geschehen am Rasen nicht wirklich begeistern, es wird einfallsloser, langsamer Fußball geboten. Umso mehr überzeugen dafür auch heute die Fans auf den Rängen, und diesmal in mindestens doppelter Anzahl als beim Auswärtsspiel in Concepcion. Trotz extrem heißer Temperaturen – in gewissen Sektoren werden zwischenzeitlich auch Wasserfontänen per Schlauch verspritzt – wird über 90 Minuten gesungen und gefeiert, was das Zeug hält. Auf das erlösende Siegestor müssen die Zuschauer auch immerhin geschlagene 84 Minuten warten.

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