Club Tiro Federal – CD San Francisco 3:1

Estadio Onofre Pirrone, ca. 70 Zuschauer

Wenn es ins Positive verkehrte Spiegelungen von bereits Erlebtem gibt, dann ist mir dies in Bahia Blanca widerfahren. Habe ich vergangene Woche noch eine der hasserfülltesten Partien meiner Laufbahn als Fußballspielbesucher in einer Stadtliga erlebt, so werde ich in der „Liga del Sur“ geradzu mit Herzlichkeit überschüttet – und steige dabei auch zu so etwas wie einer lokalen Berühmtheit auf.

Aber schön der Reihe nach: Nachdem ich am Wochenende in Cordoba leider kein Match besuchen habe können (CA Belgrano hatte „Dia del club“, der nur für Mitglieder zugänglich ist), wende ich mich langsam aber sicher Richtung Süden des Landes. Bahia Blanca am äußersten Ende der Provinz Buenos Aires ist dabei meine erste Station.

Die Stadt empfängt mich zuerst wolkenverhangen, im Lauf des Tages beginnt auch beständiger Schnürlregen. Es mag auch daran liegen, dass ich den Ort bisher als nicht besonders spannend empfinde. Das Zentrum mit dem Hauptplatz und auch andere Straßenzüge sind zwar ganz nett und in durchaus gutem Zustand, aber das gewisse Etwas fehlt Bahia Blanca irgendwie. Eine feine Kleinstadt mit wenigen Höhepunkten ist wohl die beste Beschreibung dafür.

Erst beim Mittagessen erfahre ich dann, dass die Stadtliga doch auch noch am Dienstag ein Spiel zu bieten hat. Bisher war ich davon ausgegangen, dass am Montag die letzten Matches des Spieltages bereits ausgetragen worden waren. Noch dazu findet es praktischerweise quasi auf dem Heimweg ins Hotel statt – der Besuch ist damit also fast schon Pflicht. Mein Eintreffen am Stadion wird dabei zuerst neugierig-kritisch beäugt, hinter dem Kassenfenster erwartet mich (vorerst) überhaupt nur ein etwas verschlafener Schäferhund. Der außerhalb des Häuschens stehende Kassier reagiert dann aber sofort, verkauft mir eine Karte um 90 Pesos (also knapp 4 Euro) und fragt mehr oder weniger nebenbei von wo ich bin.

Und dann nimmt der (positive) Wahnsinn seinen Lauf: Nach den ersten Metern auf dem Weg zur Tribüne läuft mir ein älterer Herr des Vereins nach, besteht darauf mir einen Platz zu weisen. „Sie wollen doch sicher Sitzplatz“, fragt er und führt mich zielgerichtet auf die (nicht zu verfehlende) Sitzplatztribüne. Kurz alleine gelassen suche ich mir also eine der Schalen in der letzten Reihe aus, als der Herr bereits mit einem Wischfetzen herangeeilt kommt und unbedingt meinen regenfeuchten Platz reinigen will. Gerührt von so viel Freundlichkeit lasse ich dies freilich zu, bedanke mich artig und denke, nun in Ruhe ein Spiel sehen zu können. Doch weit gefehlt…

Während neben mir drei Abonnentinnen auf ihren namentlich gekennzeichneten Sitzschalen Platz genommen haben, steht der Vereinsmitarbeiter wieder vor mir und überreicht mir feierlich eine Baseballkappe des Klubs. Nachdem die Vereinsfarben violett-gelb sind, beschwere ich mich darüber natürlich nicht wirklich :-). Nur wenig später erscheint eine weitere Vereinsoffizielle, die sich vorstellt und mir nach dem Spiel unbedingt die weiteren Klubräumlichkeiten zeigen will.

Den netten Damen neben mir habe ich in der Zwischenzeit bereits erklärt, warum hier so ein Aufwand um mich betrieben wird. Mit ihnen plaudere ich daher während der ersten Halbzeit weitgehend in Ruhe gelassen und soweit es halt auch mein Spanisch zulässt. Mit dem Halbzeitpfiff beginnt der Trubel dann aber erst so richtig: Der nette Herr von vorhin kommt nocheinmal vorbei und will mich unbedingt lokalen Journalisten vorstellen. Mein Hinweis, dass ich selber einer bin, lässt ihn dabei noch viel mehr frohlocken. Freudestrahlend führt er mich in ein kleines Häuschen direkt an der Mittellinie.

Was als harmloser Besuch bei Kollegen aus Argentinien beginnt, wird dann ziemlich schnell zu einem ausgewachsenen Interview. Bei so wenig erschienen Zuschauern ist freilich einer aus Österreich durchaus auch als Sensation zu bezeichnen (hier gibt’s den gesamten kleinen Bericht der Kollegen: Un periodista austriaco perdido como turco en la llovizna). Nach dem Spiel stellt sich zudem noch der klubeigene Journalist bei mir vor und bittet um meine Kontaktdaten, um mir noch Informationen und Bilder vom Verein schicken zu können.

Den Kopf voll mit Gesprächen und völlig baff ob dieser überbordenden Freundlichkeit erlebe ich so nebenbei den 3:1-Heimsieg der überlegenen Gastgeber. Auswärtsfans waren zu diesem Spiel nicht zugelassen, einige wenige nahmen aber auf umliegenden Gebäuden Platz.

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