Racing de Trelew – Deportivo Rincon 3:2

Estadio Cayetano Castro, ca. 100 Zuschauer

„Du solltest schnell wieder aus der Stadt verschwinden, es ist einfach nur langweilig hier“, gab mir ein Trafikant am ersten Tag hier mit auf den Weg. Allerdings konnte ich ihm da schon nicht recht geben und mit zunehmenden Aufenthalt sogar immer weniger.

Trelew in der Provinz Chubut ist sicher keine Augenweide, in der man es besonders lange aushält, aber eine durchwegs interessante Kleinstadt mit entzückendem historischen Zentrum. Da hier in der Umgebung so viele Dinosaurierskelette gefunden wurden, gibt es ein eigenes Museum dafür.

Auch das Museum zur Besiedlung Patagoniens durch Waliser in der ehemaligen Bahnstation weiß durchaus zu überzeugen (unter anderem mit einer Ausgabe von Pinocchio auf Gälisch). Politisch machte die Stadt durch eine Streikwelle gegen die damalige Diktatur 1972 landesweit auf sich aufmerksam, die unter der Bezeichnung „Trelewazo“ in die Geschichtsbücher einging.

Der wahre Höhepunkt folgte dann aber am Montag, mit der Exkursion nach Punta Tombo, der weltweit größten Brutstätte von Pinguinen außerhalb der Antarktis.


Wirklich verzaubert hat mich dann aber der Weg zum Stadion: Nachdem es außerhalb der Erreichbarkeit durch einen Bus liegt, wollte ich eigentlich mit einem Taxi dorthin gelangen. Schrägerweise fand man das Spiel auf 11 Uhr terminisiert zwar auf einigen internationalen Internetseiten, selbst bei einem türkischen Wettanbieter, nur der Verein selbst schrieb in den sozialen Medien und auf seiner Homepage nichts über das Match.

Etwas verunsichert frage ich daher am Hauptplatz einen Mann im Dress des Vereins, der zufällig vor einer Trafik parkt. Er meint, er sei sich nicht sicher, ob Racing heute spiele, er wolle nämlich fischen gehen – was er mit eleganten Handbewegungen auch noch malerisch unterstreicht. Aber wenn ich schon zum Stadion wolle, dann sicher nicht mit dem Taxi, sondern mit ihm und seiner Frau, der Weg führe sowieso daran vorbei. Und schon befinde ich mich auf dem Rücksitz in Richtung Stadion.

Auf dem Weg plaudern wir über meine Reise und meine bisherigen Erfahrungen. Sehr erfreut und mit dem Verweis auf seine Brieftasche mit dem Vereinsemblem nimmt der Mann meine Erzählungen über den Besuch eines Racing-Spiels in Buenos Aires zur Kenntnis. Meine Frage, warum die Trelewer Mannschaft aber eigentlich in den Farben des Erzrivalen Independiente und nicht in Himmelblau spiele, kontert er meiner Meinung nach typisch südamerikanisch/argentinisch: „Aber sie spielen eh nicht ganz in Rot“ – stimmt, „nur“ in Rot-Weiß.

Seine Frau schwärmt indessen von den tollen österreichischen Bands der 80er-Jahre, Roxette und ABBA. Leider muss ich sie bei beiden ihrer Illusionen berauben. Erst sein Hinweis auf Niki Lauda in der Formel 1 bringt uns dann alle wieder zum Strahlen. Nachdem die beiden auch noch meinen Familienstand erfahren haben, erreichen wir das Stadion, wo ich direkt vor die Tribüne chauffiert werde, am mobilen Kartenverkaufsstand vorbei (mit dem Hinweis: „Ich bin Mitglied, du zahlst heute hier nichts!“).

Natürlich lassen es sich die beiden auch nicht nehmen, für sich ein Erinnerungsfoto mit „dem Österreicher“ zu schießen – für Namen hatten wir während des Gesprächs keine Zeit. Daher habe ich diese freilich auch mit meiner Kamera mitanfertigen lassen:

Derart gastfreundlich zum Spiel in der Federal B (vierte Liga) kutschiert, nehme ich das Stadion genauer unter die Lupe, das insgesamt 6.000 Menschen Platz bietet. Angeblich soll es sogar noch auf doppelte Kapazität ausgebaut werden, nach dem heutigen Spiel würde ich allerdings keinen Anlass dafür sehen. Sowohl die Sitzplatztribüne als auch die großzügigen Stehplatzbereiche sind bei Weitem nicht ausgelastet. Auf der Gegengeraden macht aber immerhin ein Häufchen Ultras das ganze Spiel über Stimmung.

Racing dominiert das Match über weite Strecken, nach dem 3:0 liegt sogar kurz ein Debakel für die Gäste in der Luft. Und auch der Tipp meines netten Chauffeurs (4:0) ist zum Greifen nahe. Der Anschlusstreffer und ein verwandelter Elfmeter lassen das Spiel aber dann sogar fast noch einmal kippen. Racing bringt die drei Punkte allerdings noch ins Trockene.

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