CA Ocho de Diciembre – Club Primero de Mayo 0:0

Estadio Hector Jara Lunghi, ca. 250 Zuschauer

Stadtliga in Formosa, das ist echte Brutalität. Das muss nicht nur ich, sondern müssen vor allem auch die Schiedsrichter an diesem Tag erfahren. Wobei diese armen Kerle das wohl sowieso das ganze Jahr durch miterleben.

Die im hohen Norden Argentiniens gelegene Stadt ist für mich Station auf der Durchreise nach Cordoba, nachdem ich Asuncion endlich hinter mir gelassen habe. Formosa ist landwirtschaftlich geprägt, wie sein Umland, und profitiert vom Reichtum der Gegend.

Zwar gibt es hier nichts besonders Aufregendes zu sehen, aber die Stadt fühlt sich insgesamt einfach sehr fein an. Die zentrale Plaza San Martin ist gepflegt und mit Springbrunnen und Statuen versehen, von ihr weg laufen breite Avenidas, in deren Mittelstreifen Fußgänger, Jogger und Radfahrer (manchmal auch Mopeds) verkehren können. Dass man relativ gefahrlos durch die Stadt spazieren kann, ist nach den letzten Erfahrungen für mich ja fast schon wieder eine Revolution.

Zum Spiel komme ich, weil ich sowieso auf den Abendbus warten muss, und es sich so perfekt zur Überbrückung anbietet. Am frühen Nachmittag kann ich zudem zum Glück endlich auch meinen Backpacker-Rucksack bei der Gepäckaufbewahrung aufgeben, nachdem ich zuvor sogar kurz überlegt hatte, mit ihm zum Spiel zu gehen. Das wäre dann nämlich wohl eher keine so gute Idee gewesen.

Rund 20 Polizisten erwarten mich und meinen Handgepäcksrucksack bereits am Stadion des lokalen Klubs San Lorenzo beim Eingang. Neugierig mustern und durchsuchen sie das vollgepackte Teil, auch wenn ich ihnen natürlich erkläre, dass ich Tourist und auf Durchreise bin. „The boss of them all“ befragt mich eingehend, schaut meinen Pass an, verlangt ihn dann ein zweites Mal und reicht ihn einer Polizistin zur Registrierung in einer Liste. Danach gibt’s grünes Licht zum Eintritt ins Stadion.

Dass die kurz danach ankommenden Hinchas über ganz andere Wege ihre Sachen ins Stadion bekommen, entgeht den aufmerksamen Augen allerdings. Jedenfalls erklärt sich danach etwas das zuerst übertrieben wirkende Polizeiaufgebot. Nach zwei Minuten steht das Spiel bereits wegen Knallkörpern über der Gästebank kurz vor dem Abpfiff. Danach beginnen die Fans vor allem einen der Linienrichter als Sündenbock verbal auf das Tiefste zu bearbeiten und hinter der Absperrung zu verfolgen. Gegen Ende des Spiels fliegen dann auch einige Plastikflaschen in seine Richtung. Selbst die Trainer der gastgebenden Mannschaft verhalten sich alles andere als vorbildhaft – FIFA-Fair-Play-Preis gewinnen die wohl keinen…

Ich hab jedenfalls selten ein Spiel gesehen, wo Gewalt derart in der Luft lag, weshalb ich dann ab einem gewissen Zeitpunkt auch lieber nicht mehr meine Kamera gezückt habe. Zwar ist nix passiert und ich bin ohne Probleme rein- und rausgekommen, aber im Stadion war die Stimmung schon sehr aufgeladen. Die Aggressivität mag zwar aufgrund der Großteils jugendlichen Fans durchaus nur gespielt gewesen sein, sehr erpicht, dies auszutesten, war ich allerdings nicht. Die geneigte Leserschaft muss sich daher diesmal auch mit sehr wenigen Bildern aus dem Stadion begnügen.

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