Club Ferro Carril Oeste – Club Almagro 1:0

Estadio Arquitecto Ricardo Etcheverri, ca. 4.500 Zuschauer

Die Möglichkeit in der Superliga Arsenal Sarandi gegen Temperley und zu völlig überhöhten Preise auch noch Velez Sarsfield gegen Boca Juniors zu sehen, lässt mich dann doch in der goldenen Mitte der Zweitligapartie von Club Ferro Carril Oeste – also „Westbahn“ – landen. Aus meiner Sicht hat sich diese Entscheidung absolut gelohnt.

Vor allem gibt es aufgrund des Auswärtsteams auch die Möglichkeit, jenes Stadtviertel von Buenos Aires etwas genauer vorzustellen, in dem ich seit nun etwas mehr als drei Wochen gewohnt habe. Der Klub selbst hat zwar nur mehr seinen Hauptsitz im Ursprungsviertel und spielt seine Matches im Stadtteil Tres de Febrero (auch das Stadion heißt so), aber damit teilt er ja nur sein Schicksal mit so vielen anderen.

Almagro liegt relativ zentral, grenzt im Norden an das touristisch sehr erschlossene und umtriebige Viertel Palermo an und ist einer der am dichtest besiedelsten Stadtteile der Metropole. Dies führt auch dazu, dass Grünflächen sehr rar sind. Es gibt nur einen einzigen Park im gesamten Bezirk. Ausnahmen bilden allerdings die, wie auch in vielen anderen Vierteln zu sehen, Gated Communities, die hinter hohen und bewachten Zäunen durchaus über Grünanlagen verfügen. Insgesamt zählt Almagro zu den eher gutsituierten und sicheren Stadtteilen und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase und Vergleichsmöglichkeiten würde ich das durchaus auch so sehen.

Im Straßenleben fällt auch eine relativ starke jüdische Gemeinde auf, obwohl ich dazu überraschenderweise keine richtigen Quellen gefunden habe. Dafürsprechen würde jedenfalls auch, dass in der Shoppingmall Abasto (dem ehemaligen Gemüsegroßmarkt der Stadt) der einzige koschere McDonalds außerhalb Israels untergebracht ist. Die Bilder prägen eher kleinere Wohneinheiten, aber die sind halt im Normalfall auch schöner anzusehen als die großen Wolkenkratzer – die es hier durchaus auch zuhauf gibt klarerweise.

Der Club Ferro Carril Oeste wurde 1904 von Eisenbahnern der heutigen Sarmiento-Vorortelinie gegründet. 63 Jahre spielte er in der höchsten argentinischen Liga und konnte 1982 und 84 auch die Meisterschaft erringen. Seit einigen Jahren verdingt sich der Verein allerdings in der zweiten Liga. Neben Fußball wird auch noch eine Reihe von anderen Sportarten betrieben, so war der Klub auch im Basketball durchaus erfolgreich.

Dem durchaus beeindruckenden Stadion nähere ich mich standesgemäß über die Gleise der Sarmiento-Linie, von der man die mächtige Haupttribüne schon sehr gut sehen kann. Zwei Tribünen sind momentan abgerissen, weil der Bau gerade modernisiert wird und zukünftig für rund 30.000 Menschen Platz bieten soll. Die momentane Kapazität liegt bei lediglich 8.300.

Die noch stehenden Bauten sind aber absolut kultig. Vor dem zweiten Aufgang bzw. beim direkten Eingang zur Haupttribüne sind z.B. Klein-Basketballfelder angelegt. Zudem hat man von dort auch Aussicht auf die zahlreichen Sportplätze hinter dem Stadion. Neben Fußballplätzen gibt es auch noch Hockey-Plätze und Futsal-Hallen, die alle während des Spiels in Betrieb sind. So bekommt man das Gefühl eines extrem lebhaften Vereins.

Die fehlenden Tribünen schmälern die Stimmung beim Match sicher etwas, insgesamt würde ich sie aber als durchwegs gut bezeichnen. Der Einmarsch der Trommler und Trompeter mit grünem Rauchtopf zu Beginn und auch die Performance der Fantribüne während des Spiels sind durchaus ansprechend. Lange Zeit kann das Geschehen am Rasen damit eher nicht mithalten. In der 94. Minute fällt allerdings doch noch der vielumjubelte Siegestreffer, der zumindest die meisten Heimfans wohl für das Gezeigte entschädigt.

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