FC Fastav Zlin – FC Vysocina Jihlava 0:3

Stadion Letna, 3.373 Zuschauer

Letztes Heimspiel in der tschechischen Liga, in der Stadt Musikfestival und Eintritt zum Kampfpreis von umgerechnet nicht einmal 40 Cent – der Mai meint’s gut mit mir. Das bißchen Regen kann man da nach einem weitgehend sonnigen und heißen Tag schon vertragen.

Außer dem bereits erwähnten Musikfestival hat die Stadt nicht sonderlich viel zu bieten, sondern ist ein mittlerweile ganz schön herausgeputztes Arbeiterstädtchen, in dem die ehemaligen und teils auch umgebauten riesigen Industrieanlagen dominieren. Interessant allerdings die Geschichte der Stadt, die eng mit dem Schuhfabrikanten Bata verknüpft ist, der in den ersten Jahrzehnten des 20 Jahrhunderts unter dem Motto „Kollektiv arbeiten – individuell wohnen“ hier Mustersiedlungen – und unter anderem auch das damals größte Kino Mitteleuropas – errichten ließ und damit Zlin zur ersten funktionalistischen Stadt der Welt machte. Nach einem kurzen Rundgang heißt’s bei brütender Mai-Hitze dennoch abchillen vor den verschiedenen Bühnen im Park und am Hauptplatz.

Das Stadion befindet sich nur einen Steinwurf außerhalb des Stadtzentrums und einen knappen halben Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt. Die Haupttribüne ist ganz nett, wenn auch in die Jahre gekommen. Die restlichen Tribünen schließen das Areal leider nicht vollständig ab, auch wenn jede einzelne irgendwie durchaus Charme entfaltet. Im besonderen gilt dies für einen Hintertorbereich, der direkt in einen Hang gebaut wurde. Über diesem versammeln sich in einem Waldstück auch ein paar Gratisblitzer, um das Spiel zu verfolgen – ebenso wie auf dem Dach und den Balkonen eines in einer der Kurven errichteten Wohnhauses.

Aufgrund der Sonderaktion zum Saisonabschluss sind die Ränge gut gefüllt, die Heimmannschaft, die mit Verweis auf die wirtschaftliche Hauptsparte der Stadt auch „Sevci“, Tschechisch für „Schuster“, gerufen wird, zeigt dem erhöhten Interesse aber eher die kalte Schulter. In den ersten zwanzig Minuten bringt Zlin zwar noch einiges zusammen, bald dümpelt das Spiel aber auf unsagbar miesem Niveau dahin. Über dieses kann sich Jihlava lediglich mit den drei Toren etwas erhöhen.

Genau umgekehrt die Leistung der Heimfans: Sind sie zu Beginn des Spiels fast gar nicht zu hören, so laufen sie in der zweiten Halbzeit – als auf dem Platz schon nix mehr zu holen ist – zur Hochform auf und zeigen ein erstaunlich kreatives Potential an Chants. Die Handvoll Gästefans hat dem nichts entgegenzusetzen.

Etwas kurios der ältere Herr hinter der Tribüne in der Halbzeitpause, der offenbar nicht und nicht verstehen will, welch komischen tschechischen Dialekt ich anschlage. Erst nach mehreren Fragerunden, wie ich denn das Spiel so fände, klärt ihn ein beistehender Fan auf, dass ich ihn auf Englisch darauf hinweisen will, dass ich eben nicht des Tschechischen mächtig bin.

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