MSV Duisburg – FSV Frankfurt 0:1

Schauinsland-Reisen-Arena, 15.124 Zuschauer

Ohne Drama geht im Ruhrpott wohl wenig: Egal ob bei Dortmund und Schalke im Großen, oder bei Bochum und Uerdingen im Kleinen. Die Mischung aus Überlebenskampf, Selbstüber- oder -unterschätzung und offenem Größenwahn bringt hier immer wieder wundersame Geschichten hervor, die vom Absturz ins Bodenlose und phoenixartiger Wiederauferstehung geprägt sind. Und unter allen aktuellen Dramen ist wohl das um MSV Duisburg das herausragendste: Kürzlich beinahe in die Insolvenz geschlittert, findet sich der Verein nach einer Massenbewegung unter den Fans zur Rettung nun überraschend in der zweiten Liga wieder und versucht an alten Glanz anzuschließen.

Die Verbundenheit zum Meidericher Spielverein Duisburg von 1902 erlebt man schon am Weg zum Stadion. Jeder kennt hier jeden, man grüßt sich, man mag sich. Zu diesem Flair gesellt sich heute aber auch noch etwas spezielles, ist doch „Flüchtlings-Wochenende“ in den deutschen Ligen (auch gestern bei Uerdingen waren Dutzende Flüchtlingsfamilien gratis zum Spiel eingeladen). Neben vielen anderen Zweitligisten ist auch der MSV von der offiziellen, ursprünglich von „Bild“ initierten Aktion abgesprungen, und setzt lieber sein eigenes Zeichen in Richtung „Refugees welcome“. Bereits am Vorplatz des Stadions mischen sich (so als solche erkennbar) eingeladene „Neubürger“ unter das Fanvolk, posieren stolz vor dem Zebra-Logo auf der Aussenfassade oder stehen staunend vor dem doch sehr imposanten Bau.

Im Stadion folgt aber noch weitaus bewegenderes: Rund 1.500 Flüchtlinge hat der MSV zu diesem Spiel eingeladen und in einem eigenen Sektor platziert. Der frenetische Jubel beim Auflaufen der Gastmannschaft wird den Refugees bald nachgesehen – sie stehen beim gesamten Rahmenprogramm im Mittelpunkt. Das fängt schon alleine damit an, dass die Zebras heute statt mit dem normalen Brustsponsor mit einem „Refugees Welcome“-Schriftzug auflaufen. Auch von den Stadiensprechern wird immer wieder auf die Aktion und die generelle Situation hingewiesen. Alles mit Stoßrichtung: „Herzlich willkommen, ihr gehört hier her und wir werden das schaffen“. Das Rahmenprogramm gipfelt in einer rührenden Rede eines pakistanischen Flüchtlings vom Mittelkreis, der sich bei Deutschland und dessen großartigem Volk bedankt. Der MSV zeigt hier eindeutig, wie man sowas richtig gut aufzieht. Von den Frankfurter Ultras kommt kurz vor Anpfiff noch ein Anti-„Bild“-Transparent, das die Stimmung noch verschönert.

Leider weniger perfekt läuft allerdings das Spiel für die Zebras, vor allem auch weil Frankfurt richtig gut Beton anrührt und die verzweifelten Angriffe in der ersten Halbzeit perfekt stört – in der 32. Minute zudem sogar mit der einzigen Offensivaktion in Führung geht. Die Stimmung ist dennoch verdammt fein, hervorzuheben wieder einmal die gute Vereinshymne. Rund um mich herum sitzen leidgeprüfte Alt-MSVler (inklusive „Wir gehn dann noch prügeln, kommst mit?“-Einladung nach dem Abpfiff), die schon früh wissen, dass das heute nix mehr wird. Duisburg ist halt Drama – da hat die Hoffnung nur selten, dann aber an der richtigen Stelle Platz.

Der „Refugees-Block“ beim Spiel

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