RB Leipzig – 1860 München 1:1

Red Bull Arena, 27.370 Zuschauer

Das Leben hatte es nicht gut gemeint mit RotorBlatt Leipzig: Der Mauerfall und die damit verbundenen Umwälzungen setzten dem einst so stolzen Traditionsverein der DDR mächtig zu, sodass er sich mittlerweile in den Niederungen der zweiten deutschen Liga wiederfindet. Mit einer hoffnungsvollen jungen Mannschaft und leidenschaftlichen, an ihre eigenen Grenzen gehenden Fans befindet sich der Verein nun aber wieder an der Pforte zur Höchstklassigkeit.

Von vielen (Neidern?) gehasst, vom Verband gar zur Verstümmelung seines stolzen Namens gezwungen, statt eines Sponsors nur zwei lächerliche Kühe vor untergehender Sonne auf der Brust, dennoch stehen sich die Leipziger die Füße in den Bauch, um ihren liebsten aller Vereine so kurz vor Weihnachten zu unterstützen. Der RotorBlatt-Fanshop, untergebracht im mickrigen Laden eines Klebstoffherstellers, quillt dermaßen über, dass sich auch noch auf der Straße eine Schlange von potentiellen Ticketkäufern bildet. Vielleicht kann man sich demnächst ja doch auch eigene Räumlichkeiten leisten.

Selbst das Stadion, wenn auch zentral gelegen, drückt die prekäre Lage des Vereins aus: In den Ruinen einer alten Sportstätte errichtet, strahlt es nur mehr matt den Glanz der alten Tage aus. Aber wohl immer noch besser als die Anlage in Markranstädt, wo man in den chaotischen Tagen des Neubeginns auch schon einmal Unterschlupf finden musste. Nicht mal die springenden Kühe durfte man hier auf die Sessel malen.

„Die Fans im Stadion können mit ihren Stimmen sogar 130 dB erreichen“, informiert das „Heimspiel-Flugblatt“ – aber meint damit wohl nicht hier und nicht jetzt. Vorsichtshalber hatte man die Anhänger mit dem Spieltagsmotto „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ ja auch noch vor den negativen Auswirkungen allzu großer Begeisterung gewarnt. Auch die enttäuschend wenigen Auswärtsfans aus München kommen an diese Marke heute sicher nicht ran. Erfreulicherweise sah sich der Heimverein aber dennoch nicht gezwungen, das Stadion im Gegenzug in eine Freiland-Disco zu verwandeln – soll ja anderswo schon durchaus vorgekommen sein.

Zum Spiel: Drei Abseitstore nach nur 18 Minuten ragen lange Zeit in einem eher durchwachsenen Spiel hervor. Das sicher ganz bezaubernde 1:0 der Gastgeber habe ich (leider) nicht gesehen, dafür aber das ebenso bezaubernde 1:1 durch Rubin Okotie kurz vor Schluss. Beinahe hätte er sogar noch eines draufgesetzt und seinen Löwen zum Sieg verholfen. Ein Punkt, der 1860 wohl mehr hilft als dem RotorBlatt, das sich aber wohl durch solche kleinen Dämpfer nicht aufhalten lassen wird.

* Anmerkung: Die Geschichte könnte sich so, ähnlich oder auch ganz anders zugetragen haben. Bei Fragen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an den zuständigen PR-Berater irgendwo in Fuschl am See, dort wo die Kühe dem Sonnenuntergang entgegenspringen.

Die überraschend kreative und vielfältige Getränkeauswahl lässt keine noch so perversen Wünsche offen

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