Erzgebirge Aue – VfL Bochum 1:5

Erzgebirgsstadion, 8.850 Zuschauer

Aue ist sowas von Provinz, dass es ärger gar nicht mehr geht. Nicht umsonst fährt man von Dresden noch knapp über drei Stunden hin, und die Weiterreise nach Nürnberg dauert dann sogar 4 1/2 Stunden. Dennoch hat dieses Kaff einen deutschen Zweitligisten, der mittlerweile immerhin in seine elfte Saison geht, was wiederum immerhin über einem Viertel der Zweitligageschichte entspricht – und das, obwohl damals Wismut Aue natürlich längste Zeit in der DDR-Liga gespielt hat. Die Stadt bzw. Umgebung war für ihren Uranabbau bekannt und verfügt auch sonst über lange Bergbautradition. „Wir kommen aus der Tiefe, wir kommen aus dem Schacht – Wismut Aue, die neue Fußballmacht!“ als Schlachtruf im neumodischen Vereinslied kommt also nicht von ungefähr.

Bei der Annäherung zum Stadion begegnet man aber vorerst mal dem Herren von etwas höheren Spähren. An einer Bushaltestelle knapp vor dem Stadion ist Gottes Sohn – wie das Spiel später zeigen sollte -, wenn überhaupt, dann nur angekommen, um dem Fußball schnell wieder den Rücken zu kehren.

Das Erzgebirgestadion beherbergt einen der wenigen violetten Vereine in Deutschland, was ihm natürlich eine gewisse Grundsympathie von meiner Seite einbringt. Die Anlage ist in eine Bodensenke gebaut, wenn man mit der Bahn an der Station direkt davor vorbeifährt, denkt man, es liege irgendwo im Grünen. Dass dem nicht so ist, merkt man, sobald man vom Hauptbahnhof durch Wohngebiete auf das Stadion zumarschiert, wo nur die imposanten Flutlichtmasten bereits von Weitem zu sehen sind. Eine weitere Besonderheit des Stadions ist dadurch auch die „Wood Lounge“, die statt den überall sonst bereits üblichen „VIP-Logen“ die „ganz speziellen“ Zuschauer beherbergt.

Um 22 Euro bekomme ich meine Karte für den Sitzbereich am Mittelkreis. Die Tribünen sind ein Oval, hinter den Toren aber jeweils unterbrochen. An den vier Enden befinden sich die Stehbereiche für Gäste- und Heimfans. Wer das aktuelle 11Freunde kennt, dem werden auch die stark sichtbehindernden Dachpfeiler etwas sagen. Allerdings habe ich die Sitzplätze in der ersten Reihe in dieser Hinsicht weitaus schlimmer empfunden. Durch die mittlerweile verbaute Laufbahn und die eben ovale Grundform bzw. auch den Abtrennzaun ist von dieser Perspektive eigentlich gar nichts mehr zu sehen. Zum Glück ist das Stadion nicht ausverkauft, wenn auch mit 8.850 Zuschauern gut gefüllt. Dadurch kann ich je nach Belieben ganz gut meinen Standort auf der Tribüne wechseln.

Das Spiel läuft unglaublich unglücklich für die Gastgeber, allerdings auch wieder so, dass es unbedingt bestraft gehört. Den ersten schweren Patzer nutzen die Jungs aus dem Ruhrpott früh zur Führung, das baldige 1:1 kann nur kurz über die Probleme der Heimmannschaft hinwegtäuschen. Durch zwei weitere Patzer steht es in der Halbzeit 1:3, das 1:4 in Hälfte zwei ist dann überhaupt ein Duseltor par excellence… Beim 1:5 wissen die Heimfans längst Bescheid, dass sie mit dieser Abwehr heuer wohl durchaus auch gegen den Abstieg spielen könnten.

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