SSV Jahn Regensburg – Borussia Dortmund II 2:1

Jahnstadion, 3.600 Zuschauer

Eineinhalb Jahre bevor das neue Stadion von Jahn eröffnet wird, nütze ich die Chance, das altehrwürdige Jahnstadion zu Regensburg noch zu besichtigen. Die ehemalige Reichstagsstadt wurde im Zweiten Weltkrieg fast nicht beschädigt, daher findet sich in der Altstadt noch viel historische Bausubstanz, inklusive der „Judensau“ am Dom (einem antisemitischen Marker zum ehemaligen jüdischen Ghetto auf einem der Pfeiler).

Über Austriansoccerboard hab ich erfahren, dass auch Brucki, ein begnadeter Rapid-Hopper und bereits in Kecskemet vor knapp zwei Jahren kennengelernt, die Partie ansieht. Da er den Zug in der Früh allerdings nicht erwischte, muss ich den Stadtrundgang leider ohne sein fundiertes Geschichtswissen machen (lediglich am Rückweg zum Bahnhof kann ich da etwas abstauben :-)).

Weniger freundlich hingegen der Empfang der Regensburger Ultras für mich. Beim Fotografieren im Fansektor rund 1 1/2 Stunden vor Matchbeginn werde ich auf meinen obligatorischen Salzburg-Pulli aka „eine Provokation“ angesprochen. Doch etwas wirsch werde ich darauf hingewiesen, dass zwischen den heimischen Fans und Blau-Weiß Linz eine Fanfreundschaft besteht und ich mich daher woanders platzieren solle (Brucki erzählt später zudem, dass auch freundschaftliche Beziehungen zu den Lions von Rapid bestehen, ein Austria-Wien-Pulli hätt die Sache also auch nicht wirklich beruhigt). Bisher hatte ich zumindest in Deutschland jedenfalls nie solche Probleme und in der dritten Liga hätte ich sie mir so auch nicht erwartet. Das nächste Mal werde ich mich auf den Ultra-Tipp hin wohl wirklich besser „vorher informieren“ müssen…

Das Jahnstadion ist jedenfalls in Echt weniger beeindruckend als es auf Fotografien teils rübergekommen ist. Prinzipiell als Oval angelegt, durchbrechen nur die Haupttribüne und die erst vor einem Jahr errichtete provisorische Nord die Stehplatzränge im Betonwannenstil. Bedudelt wird man vor Beginn mit den Hymnen aus den – geschätzt 30ern und 50ern – schlimmster Schlagerschnulzenalarm und so bisher eher aus den östlicheren Gefilden Deutschlands bekannt.

Knapp über 3.600 Zuschauer, davon überraschend viele Borussen (ca. 300, würd ich schätzen – laut den Transparenten vor allem aus Ingolstadt, München (!) und Regensburg selbst), bringen nicht wirklich viel Stimmung, zumindest über die gesamten 90 Minuten gesehen. Die Dortmunder sind zu Beginn („In Europa kennt euch keine Sau“ und klassische BVB-Lieder) und beim 1:0-Führungstor relativ laut, die rund 200 Hardcore-Ultras der Heimmannschaft singen durchaus durch, sind aber an meinem „Verbannungsort“ zumindest nicht mehr eindrucksvoll zu hören.

Das Spiel an sich ist selbst für deutsche Drittligaverhältnisse relativ schwach. Viel basiert auf Zufälligkeiten, beim BVB beeindruckt maximal die Gefährlichkeit und die Abgebrühtheit bei den Standards (auch der gefühlte fünfminütige, sehr provokante Torjubel vor dem Jahnsektor mag allerdings zu gefallen). Ansonsten aber viele hohe Pässe und Hackerei. Das 2:1 für die Gastgeber geht über das gesamte Spiel gesehen schlussendlich durchaus in Ordnung.

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