1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 1:1

Grundig-Stadion, 35.678 Zuschauer

„Ich bin schon 60 und trotzdem gut drauf“, sagt der alte Knacker in der S-Bahn zum Stadion, als er sich ganz dezent einer jungen Familie aufdrängt. „Nur wenn der Club heut wieder verliert, dann ist’s Scheiße.“ Und damit sind die Themen für die kurze Fahrt vom Hauptbahnhof zum Frankenstadion aka Grundig-Stadion (bzw., wie von den Fans gewünscht, Max-Morlock-Stadion) eigentlich auch schon alle schon aufgezählt. Mr. „Mir geht’s gut“ liest beim Jungvati in der „Bild“ mit, was die so über den FCN schreiben, erzählt von seinen Nachkriegserlebnissen und vom letzten Meistertitel („“68 Meister, ’69 abgestiegen, Wahnsinn!“). Da Jungvati trotz Abo heute leider nicht ins Stadion geht, muss der 60-Jährige kurz später allerdings neue Gesprächspartner suchen.

Das Frankenstadion hat von außen „Containercharme“, schreibt der aktuelle „Ballesterer“, und unrecht hat er nicht damit. Wenn dann sticht höchstens die Flutlichtanlage etwas hervor, die Tribünen sind eher unscheinbar. Innen ist die Arena aber halbwegs passabel, vor allem die ungewöhnliche Dachkonstruktion fällt auf. Stimmungshemmend hingegen natürlich die großen Lücken links und rechts von der Gegengeraden, wenn man mal die sportlich eher triste Situation außer Acht lässt. Jeder der Blöcke ist nach einer Club-Legende benannt, mit Statistik zu Spielen/Toren/Ländermatches – nice feature!

Nur 35.678 Zuschauer sind bei einer Kapazität von 50.000 zu diesem Match gekommen, und vor allem in der ersten Viertelstunde herrscht verdammt gute Stimmung im Stadion – eine der besten, die ich jemals in Deutschland erlebt habe. Fast könnte einem der Club daher echt sympathisch werden, wäre da nicht ein – doch etwas entscheidender – Punkt: Die Fanfreundschaft mit einem gewissen Vorortklub Wiens. Rapid sieht man hier fast überall, von den Fahnen in den Kurven („United we stand“) bis hin zu den Schals der Fans. Daher, leider: Nein! Noch weniger Sympathie kann ich lediglich für die wenigen Wolfsburg-Fans aufbringen.

Bis auf die Anfangsphase ist das am Rasen leider ein sehr lauer Kick. Wolfsburg geht in Hälfte eins in Führung, die Nürnberger spielen weitgehend zu schwach, um die Gäste zu fordern. Ein bissl stärker sind sie dann im zweiten Durchgang, wodurch das Remis schlussendlich auch in Ordnung geht.

Ganz ohne Club-Opi geht’s dann per S-Bahn zurück zum Hauptbahnhof, wo schon der ICE für die viereinhalbstündige Rückreise wartet. Neun Stunden An- und Abreise für 90 Minuten Fußball haben sich jedenfalls voll ausgezahlt.

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