VfR Aalen – VfL Bochum 2:2

Scholz Arena, 5.200 Zuschauer

Keine Ahnung warum, aber dieser erste Freitag im Februar zieht neue Bekanntschaften offenbar förmlich an. Auf dem Weg vom Kleinstadtbahnhof zum Stadion – das by the way gar nicht sooo leicht zu finden ist – laufe ich zwei Bochumern über den Weg, wovon sich der männliche Part der beiden aber schnell lediglich als Aushilfs-BlauWeißer herausstellt. Er – ein Schwätzer vor dem Herren und damit das volle Gegenteil der sympathisch ruhigen Norddeutschen mit Hang zum VfL – ist eingefleischter Bayern- und Glasgow-Rangers-Fan, wie er im Stadion auch mit einer eigenen Blockfahne beweist.

Von 92-2001 Dauerkartenbesitzer bei den Münchner Roten und lange Zeit auch Groundhopper, hat er natürlich einiges zu erzählen, wie viel ich davon glauben soll, ist schwer einzuschätzen. Angeblich kennt er jedenfalls bei so gut wie jedem deutschen Verein JEDEN – vom Ultra, über die Kutte, bis zum Hooligan – und ist durch seine türkischen Freunde angeblich auch bei Fenerbahce Istanbul kein gänzlich Unbekannter. Zudem schweifen seine (ausgesprochenen) Gedanken auch immer wieder in die Vergangenheit zu seinem Vater, mit großer Fußballliebe, aber nicht gerade nachahmenswerten Erziehungsmethoden („Am Montag beim Frühstück war ‚Prüfung‘. Wenn ich ein Ergebnis aus der zweiten englischen Liga nicht wusste, gab’s eine auf den Hinterkopf“).

Naja, Märchen mal weggerechnet, verbringe ich mit den beiden jedenfalls vor dem Spiel einige angenehme Stunden, nach dem Fußweg noch in einer 70er-Style-Kneipe neben dem Stadion, wo die Zeit (und die Preise) stillzustehen scheinen. Ausbeute sind Geschichten, wie jene von „Forrest Eddi“ vom MSV Duisburg, der für seine zweite große Liebe extra nach Nottingham gezogen ist (dies bestätigte auch sie, daher wohl glaubwürdig), eine ganze Latte an YouTube-Empfehlungen von „historischen Fußball-(teils auch Hools-)Momenten“ und einige obszöne Bilder von Angela Merkel, die sich Deutsche so schicken, wenn sie Facebook nutzen, und die ich mir lieber erspart hätte…

Die „Scholz Arena“ ist ein Fleckerlteppich an Provinzstadion, dass es ärger nicht mehr geht. Große Haupt-, mickrigste Gegen- und gleichzeitig VIP-Tribüne, nicht überdachte Gästefan- und lediglich provisorisch angelegte Fantribüne gegenüber. Dadurch hat das Stadion zwar durchaus Charme, für Stimmung ist es aber nicht zu gebrauchen, schon gar nicht, wenn – so wie am heutigen Abend – lediglich 5.200 Zuschauer das Stadion nicht mal zur Hälfte füllen. Der seit der Ankunft am späteren Nachmittag anhaltende Dauerregen hat den Rasen an manchen Ecken in eine Schlammlandschaft (Bild12) verwandelt, was dann wiederum das lange Zeit sehr lahme Spiel beider Mannschaften erklärt. Bochum geht allerdings früh in Führung und kann diese sogar bis in die Pause halten, ehe gleich nach Wiederanpfiff das erste Tor der Gastgeber (die übrigens, wie den meisten eh bekannt sein dürfte von Ralph Hasenhüttl trainiert werden) gelingt. Faktisch im Gegenzug geht die Ruhrpott-Mannschaft allerdings wieder in Führung, Aalen braucht danach lange, um den letztlich verdienten Punkt noch zu retten.

Stimmungstechnisch ist das Match von beiden Fanlagern keine Offenbarung, auch wenn durchaus beeindruckend ist, wie viele Bochumer den Weg ins Schwabenland gefunden haben. Meiner Schätzung nach dürften es rund 300-400 BlauWeiße sein…

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