FC Augsburg – SV Werder Bremen 3:1

SGL-arena, 28.133 Zuschauer

Letztes Oktoberfest-Wochenende, vier Mal in München (zumindest für kurze Zwischenstopps), kein einziges Mal auf der Wiesn, so stell ich mir Spaß vor. Nach der Railjet-Anreise mit mehr oder weniger lustigen Saufspielen einiger österreichischer Lederhosen-Träger lande ich im beschaulichen, für meinen Geschmack schon fast zu süßen Augsburg. Die Stadt hat trotz ihrer „nur“ 250.000 Einwohner ein öffentliches Verkehrssystem, das komplizierter zu lesen ist, als das einer durchschnittlichen Metropole.

Die SGL-arena befindet sich relativ weit außerhalb des Stadtzentrums im Süden, an Fachhochschule und Universität vorbei. Durch Zufall komme ich am Weg zum Stadion mit einem der Fans ins Gespräch, der meinen weiteren Abend prägen wird. Der ehemalige Soldat – bei Marine, Kriegsmittelbeseitigung und ABC-Abwehr – studiert mittlerweile in Augsburg und besucht jedes Heimspiel des FC, auch wenn er eigentlich ein „Clubberer“, also Anhänger des FC Nürnberg ist. Sein Problem ist – Originalzitat – der Alkohol, und da wir zwei Stunden vor Anpfiff da sind, fließt erster bis zu letzterem reichlich.

Soweit ich neben Bier und Smalltalk feststellen kann, ist die Arena bis auf ihr äußerst biederes Außenauftreten eigentlich sehr fein. Die Zuschauerränge beginnen sehr flach direkt am Spielfeld und steigen dann sehr steil nach oben auf. Bei der Sicht aufs Spielfeld sind allerdings einige Planungsmängel feststellbar. In den Kurven beschränken sowohl Dachstützen als auch ungünstig angebrachte Wellenbrecher das Matchvergnügen doch deutlich.

Mit der gesamten Lebensgeschichte und noch viel mehr sowie zumindest fünf Bier versorgt, verliere ich pünktlich mit Spielbeginn vorerst meine Abendunterhaltung, weil die Ordner das Stehen am Wellenbrecher dann doch nicht mehr tolerieren und uns zum Sitzen aufforden („Andere Zuschauer haben sich wegen Sichtbehinderung bereits beschwert“, auch wenn hinter uns weit und breit keine Menschen saßen). Während Steffen – so heißt der neue Bekannte – mehr oder weniger zielgerichtet einen Platz weiter oben anstrebt, ergattere ich gleich am Sektoreingang einen freien Sitzer. Für meinen Promillestand und auch zum Verfolgen des Match ist die vorübergehende Trennung jedenfalls nicht gerade das Schlechteste.

Nach bereits 95 Sekunden geht Augsburg in Führung und stellt damit alle durchwegs negativen Voreinstellungen der zuvor so befragten Fans auf den Kopf. Den insgesamt extrem passiv agierenden Bremern (Arnautovic schleicht völlig demotiviert über den Platz und wird mitte zweiter Halbzeit auch ausgewechselt) gelingt zwar durch einen Freistoß noch der kurzzeitige Ausgleich, am Ende verlieren sie aber völlig berechtigt. Ab dem 2:1, aber vor allem nach dem dritten FCA-Tor ist die Stimmung in der Stehplatz-Tribüne extrem gut und springt auch immer wieder auf das gesamte Stadion (28.133 Zuschauer) über. Dafür, dass die Schwaben mit den Norddeutschen das ganze WE groß auf Verbrüderungsparty machen, gibt es gar nicht so wenig Pfiffe für die Grün-Weißen, deren Fans zu diesem Spiel zahlreich erschienen sind.

Steffen treff ich dann gegen Ende des Spiels wieder, glücks- und auch anderer Stoffe -selig. Seine Mitjubel-Versuche mit ihm nicht bekannten Anhängern schlagen alle fehl, wodurch er dann doch mit mir allein den Rückweg zur Bim antritt. Ein Anlauf zum Trösten eines Bremer Fans geht dabei für ihn (per Finger) ins Auge, bevor sich dann im dichten Gedränge bei der Haltestelle unsere Wege dann endgültig trennen.

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