FSV Budissa Bautzen – VfB Empor Glauchau 3:1

Stadion Müllerwiese, 170 Zuschauer

„Willkommen bei den Sorben!“, heißt es am Sonntag zum Abschluss des Trips rund um Dresden. Dazu tuckern wir mit einem modernen Dieseltriebwagen durch die monotone sächsische Landschaft, die nur ab und an ein kleines Städtchen an der Strecke ausspuckt. Die vierte oder fünfte davon verwöhnt uns dann mit einem Fußballspiel vor der nächtlichen Rückreise gen Wien.

Bereits der Vereinsname weist auf die Besonderheit in dieser Region hin. „Budissa“ ist nämlich nichts anderes als die latinisierte Schreibweise des Stadtnamens Budysin. Bautzen ist eine der wichtigsten Städte im Siedlungsgebiet der als Minderheit anerkannten, slawischsprachigen Sorben – auch Wenden genannt. Offiziell sollen ihnen etwa 60.000 Menschen angehören, wobei diese Zahlen auf reinen Schätzungen beruhen. Sowohl die obersorbische (dem Tschechischen/Slowakischen näher) als auch die niedersorbische Sprache (dem Polnischen näher) sind mehr oder weniger akut vom Aussterben bedroht.

Ein Rundgang durch das rund 38.000 Menschen zählende Städtchen gleicht in etwa dem Feeling, durch ein Freilichtmuseum zu wandeln. Straßenschilder, viele Läden und Verkehrshinweise sind fast durchgängig zweisprachig angeschrieben. Soweit ich das beurteilen kann, ist aber wenig gesprochenes Sorbisch auf den – heute durchaus nicht sonderlich dicht bevölkerten – Straßen zu hören. Außerhalb des historischen Zentrums ist zudem bei Weitem nicht alles so süßlich herausgeputzt wie innerhalb.

Budissa Bautzen wurde 1904 im etwas außerhalb der Stadt gelegenen Dörfchen Stiebitz als Verein gegründet und bestand in dieser Form bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Danach wurde es wie alle Sportvereine aufgelöst und nach mehreren Umstrukturierungen 1950 als BSG Motor Bautzen an das lokale Waggonwerk angeschlossen. Erst nach der Wende kehrte der Verein zu seinem alten Namen zurück. Die traditionelle Heimstätte wurde 1929 errichtet und 1962 großzügig erweitert. Der Rekordbesuch wurde beim FDGB-Pokalfinale 1965/66 zwischen BSG Chemie Leipzig und BSG Lokomotive Stendal (1:0) mit 15.000 Menschen aufgestellt.

Ein kurzer Blick auf die heutige Zuschauerzahl zeigt, dass das momentane Interesse am Fußball nicht einmal annähernd gleich groß ist. Die fehlenden 14.830 Menschen versäumen eine durchaus ansprechende, wenn auch nicht hochklassige Pokalpartie. Den umjubelten Führungstreffer können die von etlichen Fans begleiteten Gäste noch ausgleichen und sogar lange auf eine Verlängerung spekulieren. Bevor es zu dieser kommt, machen die Budissen aber doch noch den Deckel drauf und schießen kurz vor Abpfiff die Tore zwei und drei.

Hinterlasse einen Kommentar