Dresdner SC – Chemnitzer FC 0:7

Heinz-Steyer-Stadion, 1.908 Zuschauer

Wird das Stadion auch zur Pflege von sozialen Kontakten genutzt, bleibt oft erstaunlich wenig Platz und Zeit für das eigentliche Spiel. Das Gespräch und der Austausch kann dann öfter wichtiger sein, das Geschehen am Rasen flimmert nur wie ein entfernter Spielfilm an einem vorbei. So ist es mir an diesem Abend auch in Dresden passiert.

Sehr viel Zeit blieb ob der frühen Ankunft des Nachtzuges allerdings mal wieder für einen erweiterten Streifzug durch die ehemalige sächsische Residenzstadt. Bereits bei meinem Besuch vor etwas über 15 Jahren hatte mir ja die Stadt durchaus gut gefallen.

Über eine durchaus bewegte Geschichte verfügen sowohl Klub wie auch Stadion: Der Dresdner SC beruft sich auf die Geschichte des 1898 mit diesem Namen aus der Taufe gehobenen Multisportvereins. Unter den Gründungsmitgliedern befanden sich auch ehemalige Angehörige des „Dresden English Football Clubs“ von 1873 und damit einem der ersten Fußballvereine auf dem europäischen Kontinent. Seine erfolgreichste Zeit erlebte der DSC während der Zeit des Nationalsozialismus, in der 1940 und 1941 der Tschammerpokal (heute DFB-Pokal) sowie 1943 und 1944 die deutsche Meisterschaft gewonnen wurde. Damit ist der Klub letzter Meister vor Ende des Zweiten Weltkrieges, in der Mannschaft kickte auch der spätere DFB-Bundestrainer Helmut Schön.

Nach Gründung der DDR wurde zuerst unter dem Namen SC Einheit dem runden Leder nachgejagt, ab 1966 schließlich als reiner Fußballverein FSV Lokomotive – immerhin 18 Jahre lang in der zweiten Leistungsstufe des Landes. Mit der Wiedervereinigung erfolgte am 1. Juli 1990 auch die Neugründung des Dresdner SC, dessen Fußballabteilung eine Zeit lang auch in der drittklassigen Regionalliga spielte. Kurz überflügelte der DSC damit sogar den sonstigen Platzhirschen Dynamo, um dann aber ganz tief zu stürzen und zeitweilig sogar nur mehr in der achten Klasse zu kicken. Seit drei Saisonen ist nun die sechstklassige Sachsenliga sportliche Heimat.

Die nach 2021 renovierte und heute über 10.400 Sitzplätze verfügende Spielstätte wurde 1919 als Stadion am Ostragehege an dieser Stelle errichtet. Der Zuschauerrekord liegt bei 61.000 in einem DFB-Länderspiel gegen die Tschechoslowakei 1935. Am 14. Juni 1953 trug die DDR vor 55.000 Zuschauern hier das erste Heimländerspiel ihrer Geschichte gegen Bulgarien aus. Damals war es schon nach Heinz Steyer, einem Fußballer und kommunistischen Widerstandskämpfer aus Dresden, benannt. Nach mehrmaligen Haftstrafen seit 1933 wurde er 1943 zur Wehrmacht in Griechenland versetzt. Auch dort setzte er seine subversive Tätigkeit fort und stach unter anderem Informationen für die lokalen Partisanen durch. Am 3. Juli 1944 wurde er daraufhin verhaftet und nur neun Tage später erschossen.

Das genaue Verfolgen der heutigen Partie der zweiten Runde des Landespokal Sachsen wird – wie bereits eingangs erwähnt – für ausführliche Gespräche mit einem Ex-Kollegen, der sich im Vorjahr leider in den Wilden Osten abgesetzt hatte, geopfert. Die deutliche Überlegenheit der viertklassigen Gäste war aber auch so wahrzunehmen, und das Ergebnis spricht sowieso Bände. Beide Fanlager sind durchaus ambitioniert dabei, für Stimmung zu sorgen. Auch hier haben die zahlenmäßig überlegenen Himmelblauen insgesamt die Nase vorne.

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