U15: El Calafate – Trelew 0:1

Estadio Municipial Hugo Lumbreras, ca. 10 Zuschauer

Es gibt sie schon, diese Momente, wo ich jeden verstehen würde, der mich für verrückt erklärt. Unter der Tribüne eines de facto nicht existenten Stadions stehend, um mich vor dem dichten Schneetreiben beim Beobachten einer U15-Partie zu schützen, zum Beispiel. Aber erstens trifft man dort sicher einen zweiten Verrückten, der alles als ziemlich normal erscheinen lässt. Und zweitens: It’s the end of the world as we snow it!

Zum Ende der Welt, oder besser gesagt zumindest der südlichsten Stadt der Welt, gelangt man auf dem Landweg durch chilenisches Patagonien fahrend, einen Teil der Magellanstraße per Fähre übersetzend und dann weiter durch argentinisches Feuerland reisend. Alle Teile davon sind landschaftlich beeindruckend und enorm abwechslungsreich. Den bereits gebirgigen Teil am Schluss habe ich dabei aufgrund der Verspätung des Busses und der einsetzenden Nacht noch nicht einmal gesehen.

Ushuaia liegt am Beagle-Kanal und dient damit ideal als Ausgangsort für Antarktisreisende, ist zudem eingebettet von Bergen, auf denen selbst im tiefsten südlichen Frühling noch Schnee zu sehen ist. Und selbst wenn mich nach einer kurzen Nacht die Sonne weckte, bekam ich untertags eigentlich alle möglichen Wetterformen zu (und ins) Gesicht. Aufziehender Nebel wurde von Regen verdrängt, diesen durchbrach kurz darauf wieder die Sonne, die dann dem Schnee und der Kälte klein beigeben musste.

Das dritte Spiel des Turniers der patagonischen U15-Auswahlen, das für den nationalen Wettbewerb im nächsten Jahr qualifiziert, tragen die Mannschaften von El Calafate und Trelew im städtischen Stadion von Ushuaia aus. Das Heimteam hatte bereits am Vortag und am Vormittag gegen diese beiden Teams gespielt. Wegen der widrigen Wetterbedingungen war ich mir eigentlich bis zuletzt ziemlich sicher, dass die Partie nicht ausgetragen wird. Mein hartnäckiger Kampf gegen Wind und Schnee wird aber am Austragungsort dann doch belohnt.

Lange Zeit stehe ich als einziger Zuschauer unter der schlichten, wenn auch großen Tribüne, um mich etwas vor den Naturgewalten zu schützen. Mitte der ersten Halbzeit gesellt sich ein älterer Mann dazu, der mich nach dem Spielstand fragt und mich sonst eher skeptisch beäugt. Erst zu Beginn der zweiten Spielhälte bricht zwischen uns das Eis – während es um uns herum immer kälter wird.

So erfahre ich, dass der aus Trelew stammende Argentinier mit kroatischen Wurzeln die 2.000 Kilometer lange Fahrt auf sich genommen hat, nur um dieses Match zu sehen. Aber nicht etwa, weil sein Sohn mitkicken würde, sondern wirklich einfach aus der Freude am Spiel und um sein Heimteam zu unterstützen. Ich fühle mich sofort herrlich verstanden…. Stolz erzählt er mir zudem, dass sein Ältester es zu den Boca Juniors und in die U15-Auswahl Argentiniens geschafft hat, mit seinen mittlerweile 37 Jahren aber nicht mehr kicken würde.

Viele Gesprächsthemen weiter endet die Partie bei besser werdenden Wetterbedingungen, die mir einen Heimweg mit herrlicher Aussicht auf die nun angezuckerte Landschaft rund um die Stadt ermöglichen, mit einer wieder einmal herzlichen Verabschiedung von einer Kurzzeit-Bekanntschaft, die dieses Land so auszeichnen. Und die jeden noch so verrückt erscheinenden Aufwand rechtfertigen.

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