AA Argentinos Juniors – CA Belgrano 1:2

Estadio Diego Armando Maradona, ca. 15.000 Zuschauer

1904 in einem anarchistischen Buchladen gegründet und nach den Opfern der Haymarket Riots 1886 Martires de Chicago benannt, zählt der bald schon in Argentinos Juniors umbenannte Verein zu einem der traditionsreichen Klubs von Buenos Aires. Die erfolgreichste Zeit hatte er allerdings bereits in den 80er-Jahren mit dem Gewinn von zwei Meistertiteln und dem Sieg bei der Copa Libertadores, kurz nachdem Diego Maradona bei ihm groß geworden war. Nach diesem ist auch das erst im Jahr 2003 eröffnete Stadion benannt.

Bevor es aber zum Klub aus dem Stadtteil La Paternal geht, noch ein paar Worte zum Leben als Fußgänger in der argentinischen Hauptstadt. Dies wird in Reiseberichten immer wieder als sehr gefährlich beschrieben, ist aber nach einer gewissen Eingewöhnungsphase eigentlich nicht viel stressiger als in durchschnittlichen europäischen Städten – zumindest, wenn man als Hauptgefahrenquelle die Autos und Busse ansieht (Straßenbahnschienen gibt es zwar vereinzelt, Garnituren verkehren aber nur als Prä-Metro in wenigen Stadtvierteln).

Die Straße wird als Fußgänger grundsätzlich immer dann überquert, wenn es möglich ist. Das ist wohl die grundlegendste Regel für ein sicheres Dahinschreiten. Nachdem fast ausschließlich Einbahnverkehr herrscht, ist es von entscheidendem Vorteil die (an jeder größeren Ecke per Pfeil angezeigte) Fahrtrichtung zu kennen. Hat man diesen Kniff einmal heraus, dann fällt schon einmal jede Menge Stress weg. Vor allem an ungeregelten Kreuzungen, bei denen ich die bevorzugte Vorrangregel der Autofahrer bis heute nicht wirklich herausgefunden habe. Im Notfall fährt meiner Meinung nach immer das am potenziell meisten Schaden anrichtende Fahrzeug zuerst.

Größere Kreuzungen überquert man immer mit (oder gegen) dem in eine Richtung fließenden Verkehr – auf eventuelle Abbieger sollte man dabei aber achten. Und gar nicht so selten erlebt man sogar den Luxus einer eigenen Fußgängerampel hier. 100-prozentig darauf verlassen sollte man sich allerdings nicht. Wen das Flanieren dann hin und wieder doch etwas geschafft hat, kann sich in einem der über das gesamte Zentrum verteilten Parks etwas Ruhe verschaffen. Der schönste bisher besuchte ist dabei der Jardin Botanico im Viertel Palermo, der Bäume und Pflanzen aller Kontinente sowie Skulpuren aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte in sich versammelt und eine wahre Oase der Erholung mitten in der Stadt darstellt.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema: Das Spiel der Asociacion Atletica Argentinos Juniors ist das bisher teuerste besuchte Match, nachdem der Verein für Nichtmitglieder immer jeweils das Doppelte für Eintrittskarten verlangt. 800 Pesos, umgerechnet knappe 40 Euro, bieten dann dafür aber auch in Argentinien völlig ungewohnte Überdachung – auch wenn diese heute lediglich vor der durchgängig scheinenden Frühlingssonne zu schützen weiß.

Die Stimmung im und rund um das Stadion ist relaxed und von sehr familiärem Geist geprägt. Fast alle Zuschauer sind in diverse Fanutensilien gekleidet oder mit diesen ausgestattet. Spezielle Atmosphäre entsteht durch die Stehsektoren auf beiden Geraden. Auf der mir gegenüberliegenden Seite befindet sich auf zwei Dritteln der Länge der große Heimfan-Sektor, auf meiner Tribüne sitzen die Zuschauer über dem sich über die gesamte Länge ausdehnenden Stehbereich. Dadurch springt die Stimmung immer wieder auf das gesamte Stadion über und erzeugt sehr gute Lautstärke bei den verschiedenen Gesängen.

Jubelstimmung kommt aber nur kurz in der ersten Halbzeit auf, als die Juniors in einer starken Phase den Führungstreffer erzielen können. Danach reißen die Gäste aus Cordoba zusehends das Spiel an sich, zudem wird der Schiedsrichter ein weiterer Reibebaum für die immer mehr ins Schimpfen verfallenden Zuschauer. Nach dem Siegtreffer für Belgrano dümpelt das Match langsam aber sicher dem Schlusspfiff entgegen.

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