CA River Plate – CA Banfield 3:1

Estadio „El Monumental“ Antonio Vespucio Liberti, ca. 25.000 Zuschauer 

Die Gegensätze in der argentinischen Hauptstadt sind schreiend und machen sich in einem markanten Nord-Süd-Gefälle bemerkbar. „Oben“ auch die reicheren Stadtviertel, deren Straßen gepflegter und sauberer sowie mit glitzernderen Geschäften gesäumt sind. Je weiter südlich man kommt, umso zerfallener wird hier auch alles, gereinigt werden die Straßen am ehesten noch von den nächtlich herumstreunenden „Cartoneros“. Ein Hauch von Unsicherheit bleibt für jeden, der hier nicht so richtig hingehört.

Folgerichtig sind die am meisten touristisch vermarkteten Viertel hier auch eher im Norden zu finden. Das beginnt mit Palermo, dessen nette Beislszene und zahlreiche Shops einladend und fast schon europäisch wirkt (erste sieben Bilder).

Recoleta mit seinen zahlreichen Museen und Parks ist dann fast schon überbordend mondän und abgehoben (letzte drei Bilder). Hier sticht dann umgekehrt die Armut massiv ins Auge, wenn man als vermuteter oder realer Tourist auf jedem zweiten Meter angeschnorrt oder mit irgendwelchen Waren bedrängt wird. Und nebenbei ziehen die Dogsitter mit ihren 20 oder mehr Hunden an den auf den Parkbänken schlafenden Obdachlosen vorbei. So richtig wohl fühlte ich mich in letzterem Viertel jedenfalls bisher nicht.

Im Fußball spiegelt sich dieser Gegensatz im Duell River Plate gegen Boca Juniors wieder. Erstgenannte heißen nicht umsonst „Los millonarios“, auch wenn sie ursprünglich aus demselben Viertel wie ihr Erzrivale kommen. Mittlerweile „residieren“ sie allerdings in Nuñez, das an Belgrano anschließt und zu einem der besseren Barrios der Stadt zählt. Kurz vor dem Stadion kommt man auch durch eine wirklich wohlbetuchte Gegend mit Security auf den Straßen und durchgängig teuer wirkenden Einfamilienhäusern.

Dennoch: In Sachen Kommerzialisierung ist Boca mittlerweile wohl der üblere der beiden Vereine. Immerhin kommt man dort fast nur mehr über Touristenagenturen überhaupt ins Stadion. Bei River ist dies zwar auch nicht ganz unaufwendig, aber letztlich relativ problemlos zu bewerkstelligen. Im Vergleich zu den bisherigen unterklassigen Partien ist eine der teureren Karten mit 550 Pesos (rund 25 Euro) noch dazu relativ günstig – auch wenn es gegen eines der kleineren Teams der Liga geht. Auf dem Weg zum Spiel muss man vier Sicherheitsringe der Polizei durchqueren, die durchaus martialisch mit Barrikaden und aufgestellten Wasserwerfern aufgezogen sind.

Das „El Monumental“ ist mit knapp 70.000 Zuschauern Fassungsvermögen das größte Stadien Argentiniens und das sechstgrößte des gesamten amerikanischen Kontinents. Es mag am durchgängigen Regen gelegen haben, oder auch eben am wenig zugkräftigen Gegner, heut werden diese Plätze jedenfalls bei Weitem nicht alle ausgefüllt. Stimmungstechnisch darf man sich trotzdem nicht beschweren: Die beiden Kurven zeigen schon durchaus während des gesamten Spiels, wie laut sie werden könnten und können.

River belohnt dies nach schwachem Start – das 0:1 für Banfield fällt in der zweiten Minute – auch mit einer Aufholjagd, an dessen Ende ein verdienter 3:1-Sieg steht. Großes fußballerisches Spektakel hat man auf dem Rasen heute dennoch nicht zu sehen bekommen.

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