Hercules Alicante – FC Barcelona B 0:3

Estadio Jose Rico Perez, 6.200 Zuschauer

Das Estadio Jose Rico Perez der Hafenstadt Alicante liegt auf einem Hügel und hat echt nen netten Außenauftritt. Große Flutlichtmasten flankieren die Betonschüssel, die mit Hercules einen Ex-Primera-Verein beherbergt, der aber derzeit eher gegen den Abstieg in die dritte Liga spielt. Der heuer 90-jährige Klub hat ein echt schönes Logo, und zweitens ein ebenso schönes Motto für die Abokampagne, wie ich finde („Nuestro mejor once eres tú“, also „Unsere liebste Elf bist du“).

Die erste Hälfte verbringe ich auf meinem eigentlichen Platz in der knallenden Sonne (Matchbeginn war 16 Uhr) und mitten unter schimpfenden und zeternden Fans, hab jedenfalls einige neue Wörter kennengelernt – ob ich sie so schnell wieder anwenden sollte, ist eine andere Frage… Viel Vertrauen in die Spielkünste der eigenen Mannschaft bestehen auf meiner Seite des Stadions jedenfalls nicht, nur die gegenüberliegende Curva Sur mit ihren Ultras macht beständig Stimmung. Prinzipiell hab ich den Eindruck, dass die Fankultur ziemlich links geprägt ist, was den Verein gleich noch sympathischer macht. Dafür sprechen die Transparente mit „Herculanos sin fronteras“ („Herkules-Fans ohne Grenzen“) und so manches Graffiti vor dem Stadion.

Nur bei den Ultras bin ich mir eher nicht so sicher, ob sie nicht die Rechtsblinker im Klub sind – klar sagen kann man das aber nicht. Jedenfalls herrscht verdammt dicke Luft bei Alicante, das merkt man bei Sprechchören während des weiteren Spielverlaufs, aber auch im Stadionheft. Der Zorn der Fans richtet sich dabei – welch Wunder, bei drei Punkten aus sechs Spielen – auf den Trainer. Das offizielle „revista informativa“ quillt geradezu über vor „Reden wir doch miteinander“- und „Schimpfen und insultieren kann keine Lösung sein“-Phrasen.

Nach einem 0:0 zur Halbzeit verbringe ich die Pause, so wie der Großteil der knapp über 6.200 Zuschauer, unter der Tribüne und damit zum Glück im Schatten. In der zweiten Hälfte wag ich mich dann doch wieder in den Backofen, nachdem die schattigen Stadionzugänge leider immer ziemlich besetzt sind und ich nicht weiß, ob es so gut ankommen würde, einen spanischen Senioren an seinen Platz an der Sonne zu stoßen.

Lange schaut es nach einem faden und torlosen Remis aus, vor allem, weil die technisch eindeutig besseren Barca-Jungs einfach nicht ins Tor treffen wollen. Das 1:0 fällt dann nach einem katastrophalen Abwehrfehler, auch wenn eine schöne Einzelaktion eines Barca-Spielers vorausgeht (71.). In der 87. und 89. Minute (ersteres durch Handselfer) bringt ein Doppelschlag doch noch den klaren Sieg der Katalanen. Die Schimpfereien der Fans waren wohl nicht so unberechtigt, mir ist der blauweiße Verein aus Alicante dennoch ein bissl ans Herz gewachsen und das Logo hat einen Platz auf meinem Schlüsselanhänger gefunden. Daher hoffe ich auch, dass sie im Lauf der Saison noch die Kurve kratzen – „¡Macho Hercules!“ heißt nicht umsonst der Schlachtruf („Tapferes Hercules!“ – wobei es umgangssprachlich natürlich eine andere Bedeutung haben könnte, dazu hab ich aber nix gefunden).

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