FC Spartak Trnava – MFK Kosice 0:0

Stadion Anton Malatinsky, 5.128 Zuschauer

Trnava hat so viele Kirchen, wie andere Städte dieser Grösse McDonald’s-Filialen, also seehhr viele. Deswegen wird es das „Kleine (bzw. auch das slowakische) Rom“ genannt – und Spartak hat wiederum in Anlehnung daran den Spitznamen – samt entsprechendem Maskottchen – „Die weißen Engeln“ („Bili andeli“), auch wenn die Fans nicht gerade als ebendiese verschrien sind. Die Altstadt jedenfalls ist echt liebenswürdig, geprägt von eben vielen Kirchen, einer gemütlichen Fußgängerzone samt Stadtturm in der Mitte. Zudem ist Trnava auch noch Peugeot-Stadt, der 207 und der Citroën C3 Picasso werden hier hergestellt (jo, ich geb’s zu, ich hab mit Wikipedia geschummelt).

Die Automobilindustrie schlägt sich zumindest halb auch im Stadion nieder, das nur rund fünf Minuten vom Bahnhof, dicht umbaut von Wohnhäusern, befindet. Die Süd- und Nordtribüne sind mächtige Stahlbauten, wobei letztere von hinten ziemlich nett durch die mittelalterliche Stadtmauer kontrastiert wird. Entlang der West spielt sich – zumindest außerhalb – das meiste Fanleben ab, die Kassen und auch das Fanlokal „Rossoneri“ befinden sich hier. Die Anspielung an den AC Milan spiegelt sich dabei auch bei den Anhängern wieder, nicht wenige tragen Devotionalien des Serie-A-Vereins. So gut wie alle Zuschauer sind allerdings mit den durchwegs sehr kreativen Fanartikeln des Klubs ausgestattet. Vom Schal, über T-Shirts, Kapperl oder Handytaschen – zumindest in dem Bereich steht Spartak eigentlich keinem Verein in Österreich nach.
Während ich es mir auf der West- und damit der modernsten Tribüne auf meinem auf der Karte aufgedruckten Platz (von dem mich kurz vor Anpfiff ein doch etwas erzürnter Abobesitzer vertreibt) gemütlich mache, sind die Trnava-Hardcores auf der nicht überdachten Süd zu finden.

Kosice-Fans hab zumindest ich keine gesichtet. Mit dem Liedgut der Kurve wird man auch bereits weit vor Anpfiff beglückt, aus den Lautsprechern schallen die verschiedensten, sehr kreativen Lieder. Die meisten davon singen dann auch die Fans selbst, vor allem das grammatikalisch falsche „Trnava do teho“ (das laut Wiki „toho“ heißen müsste und so viel wie „Vorwärts Trnava“ bedeutet – auch das „Bili andeli“ ist übrigens angeblich grammatikalisch falsch) gefällt dabei – aber auch das extrem rollende R bei vielen Trnava-Versionen kommt echt gut. Die Haupttribüne geht sehr oft bei den Liedern mit, auch Wechselgesänge werden angestimmt. Besonders cool find ich als alter Aris-Fan natürlich die Aufforderung ans Stadion, mit seitlich ausgestreckten Armen aufzustehen und dann zum langsam schneller werdenden Klatschrhythmus „Spartak“ zu skandieren. Das funktioniert zwar ganz gut, an griechische Dimensionen kommt es allerdings nicht ran.

Überhaupt in anderen Welten befinden sich die Spieler beider Mannschaften, das Match dümpelt auf ständig niedrigem Niveau dahin, so dass das 0:0 am Ende wohl gar niemanden überrascht. Fan-, Stadion- und Stadtmäßig war Trnava jedoch absolut eine Reise wert.

P.S.: Lustig war übrigens am Tag zuvor auch Sportklub – Red Bull. Die Hernalser lieferten echt eine beherzte Leistung, was man vom angeblichen Doublegewinner nicht gerade behaupten kann – das 0:2 schaut klarer aus, als es war. Absolut cool die Kulisse von 4.777 Zuschauern, wobei auch die Haupttribüne immer wieder mitging. Bei den „Bullenschweine“-Gesängen [;-)] gab sie sogar ganz allein den Ton an, die Friedhofstribüne schimpft ja nicht… Nach dem Spiel wurde der Sportklub jedenfalls mit Standing Ovations verabschiedet – auch sehr schön. Peinlich hingegen die Gummisaft-Fans, sowohl an Anzahl (knapp 40) als auch Verhalten. Mangels eigener Kreativität hatten sie nix besseres zu tun, als die Schlüsselbundklingelei bei Eckbällen und Freistößen zu übernehmen. Selig sind die Armen im Geiste, denn ihnen hat der Didi ein gaaanzgroßes Stadion errichtet…

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