Sevilla FC – Malaga CF 2:1

Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, 35.000 Zuschauer

So, eigentlich wollt ich ja mit dem Überschmäh einleiten, dass ich für dem Bundesligakracher FAK – Admira das madige Primera-Division-„Derby“ Sevilla – Malaga vorgezogen habe, nachdem ich jetzt aber das Ergebnis aus Wien weiß, lasse ich das lieber.

Das Estadio Ramón Sánchez Pizjuán des Sevilla FC liegt im Osten der Stadt, ca. eine halbe Stunde vom historischen Zentrum entfernt, mitten in einem Wohngebiet. Zwei Stunden vor Spielbeginn sind die Gassen vor dem Stadion schon mit zahlreichen „Sevillistas“ gefüllt, die einen Vorgeschmack auf die Stimmung beim Match machen – richtig gehört, es gab Stimmung im Stadion, entgegen all der Stereotypen über den spanischen Fußball – aber dazu später.

Beim FC dreht sich noch immer sehr viel um den 2007 unter tragischen Umständen verstorbenen Antonio Puerta, was für ein Zufall, dass ich gerade durch dessen „Tor zum Ruhm“ ins Stadion komme. Dort machen auch schon die ca. 700 mitgereisten Fans aus Malaga Stimmung, wobei ziemlich viel nach italienischen Melodien gesungen wird. Bis kurz vor Spielbeginn haben die „millonarios“ auch das Gesangsmonopol, ca. 15 Minuten vor Anpfiff ändert sich das dann aber, als der Großteil der geschätzten 35.000 Zuschauer den Weg auf seinen Platz gefunden hat.

Bevor das Match startet wird in echt beeindruckender Lautstärke das Vereinslied angestimmt und da es das erste Heimspiel des FC ist, gibt es auch eine Gedenkminute für alle verstorbenen „sevillistas“ – allen voran wieder Antonio Puerta. Diesem wird auch noch in der 16. Minute per lauten Akklamationen gedacht. Aber auch sonst haben die Fans einiges an Sprechchören zu bieten – von Interpretationen von „Go West“ über eine Version der französischen Nationalhymne bis hin zu Eigenkreationen. Die Tribuna Gol Norte steht und singt eigentlich das ganze Match durch und reißt auch immer wieder die Zuschauer auf meiner Tribüne mit. Besonders beliebt sind auch die Schmähgesänge auf Malaga, denen die Fans entweder absprechen Andalusier zu sein oder sie etwa Vollverrückte bezeichnen, die sie ohne die Millionen an Sponsorengeld wären. Sehr  oft besungen wird auch ohne der beliebten „madre“ das „puta malaga“.

Vom Spielverlauf könnte man sich nichts Besseres wünschen, bereits in der zweiten Minute bringt Alvaro Negredo den FC per Kopf in Führung, eine fast deckungsgleiche Aktion wenige Minuten später kann er allerdings nicht verwandeln. In der 26. Minute netzt er allerdings noch einmal und macht sich damit zum „Man of the Match“. Bis zur Pause kommt Malaga danach überhaupt nicht mehr ins Spiel und es sieht nach einer gemachten Sache aus. Und dann kommt wieder Puerta: In der Halbzeit dürfen acht Kiddie-Mannschaften in den vier Ecken des Platzes ein Show-Match spielen – sie alle stammen aus der – man könnte es sich schon denken – „escuela football Antonio Puerta“.

Ab der sechzigsten Minute kommt Malaga besser ins Spiel – auch wenn die ganzen Millionen den lieben Ruud van Nistelrooy  auch nicht gerade schneller gemacht haben. Cazorla besorgt allerdings noch den nicht unverdienten Anschlusstreffer für die Gäste, die jedoch nicht mehr zum Ausgleich nachsetzen können. Gegen Ende der Partie gibt es dann noch Wickel rund um den Malaga-Sektor, wo sich Gäste- und Heimfans in die Haare bekommen – die Situation beruhigt sich allerdings relativ rasch.

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