Istanbul B.B.S – Genclerbirgligi 1:3

Atatürk Olimpiyat, ca. 240 Zuschauer

Das Atatürk-Olympia-Stadion, „Heimat“ von Istanbul B.B.S.: Istanbuler behaupten angeblich, das Stadion liegt bereits eher in Edirne (Grenzort zu Bulgarien) als in Istanbul. Ein englischer Fan bezeichnet den Weg hin in die 80.000er-Leichtathletikschüssel als „lunatic scenario“. Und beide Ansichten haben irgendwie recht: Der Weg ins Stadion ist extrem mühsam, erst ein freundlicher Busfahrer weist mich auf den richtigen Bus hin, mit dem man vom Zentrum ca. eine dreiviertel Stunde mitten durch die ärgsten Vorstadt und Slumgegenden von Istanbul fährt. Irgendwo auf einer halben Autobahn wird man dann aus dem Bus hinausgespuckt und geht ca. eine Viertelstunde durch diese oben angeführte Mondlandschaft, bis man vor das Stadion kommt.

Von außen schaut es echt geil aus, so ein bissl wie das alte Münchner Olympiastadion. Erster Rang ist in die Erde reingebaut, auf beiden Geraden erhebt sich darüber ein geschwungener zweiter Rang, auf der Haupttribüne sind dazwischen noch die VIP-Logen. Andrang zum Spiel ist nicht gerade groß, das merkt man unter anderem auch an der gähnenden Leere auf den riesigen Parkplätzen vor dem Stadion. Karte kostet 20 TL (10 Euro), also doch recht geschmalzen für türkische Verhältnisse. Rund eineinhalb Stunden vor Anpfiff teile ich mir das Stadion mit vielleicht 20 anderen Menschen, wenn man mal von den Ordnern (mit Schlagstöcken!) und Polizisten, die doch in großer Anzahl vorhanden sind, absieht. Bis zum Beginn des Spiels finden sich (gezählte) 20 Auswärtsfans auf der Gegengeraden und geschätzte 120 Heimzuschauer ein – ich bereite mich auf ein Spiel ohne Stimmung vor.

Doch weit gefehlt: Zehn Minuten nach Beginn zieht plötzlich eine Horde von 60 Jungspunden in voller IBBS-Montur ins Stadion ein und legt eine lautstarke Performance hin, die sich echt sehen lassen kann. Die Jungs machen in klein, was ich eine Woche davor bei den anderen Spielen gesehen habe – Wechselgesang mit sich selbst und anderen Heimfans inklusive! Kurz darauf fällt dann auch das 1:0 für Istanbul – wohl nur durch den plötzlich entstandenen Heimvorteil. Die Emotionen bei den Jungs kochen dann so über, dass zwei von den Fans Pyros entzünden (hab ich sonst nirgends gesehen) – allerdings keine gute Idee bei so einer Ordnerübermacht! Die zwei „Randalierer“ werden sofort rausgefischt und aus dem Stadion geworfen. Danach versucht die Polizei (darunter vor allem ein Bulle, der wie Walter Sedlmayer – nur auf böse – aussieht) die „Chaoten“ zur Ruhe zu bringen – was ihr auch rund zehn Minuten gelingt. In der Zwischenzeit hat Ankara ausgeglichen und die Mannschaften gehen in die Halbzeit. Nach der Pause gibt es dann wieder Stimmung von den Jungen, die das Spiel echt noch zum Erlebnis machen – die beste Choreo ist wohl jene, als sie ihre Schuhe bei einem Gesang über ihren Köpfen kreisen lassen – einfach göttlich! Auf dem Spielfeld tut sich nicht so viel, allerdings geht Genclerbirgligi kurz vor Schluss durch einen wunderschönen Treffer in Führung. Nur wenige Minuten später fällt dann auch noch das ebenso toll herausgespielte 3:1.

Abenteuerlich dann die Rückreise: Laut Internetforum eines Fußballfreaks geht der Bus zurück direkt gegenüber von der Ausstiegsstelle bei der Herfahrt – allerdings kommt über 40 Minuten nichts. Treffe dann zwei deutsche Groundhopper, mit denen ich mich einmal zu Fuß rund drei Kilometer Richtung Süden durchschlage, um dann per Autostopp doch noch bequem mit den beiden in die Innenstadt zu gelangen.

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