Ilves Tampere – AC Oulu 1:0

Tammelan Stadion, 4.308 Zuschauer

Im Land der Tausend Seen schaffte ich es an Tag 8 der Reise tatsächlich auch mal an einen. Dafür musste ich in eine Stadt, die sogar an zwei davon liegt und zuletzt mit Veilchen eher rauer umging.

Tampere wurde erst am 1. Oktober 1779 gegründet, blieb in den ersten Jahren trotz Stadtrechten allerdings eine bescheiden kleine Ansiedlung. Dies änderte sich schlagartig mit der Industrialisierung, für welche die zusehends gebändigten Stromschnellen zwischen den Seen die nötige Energie lieferten.

Als erster eröffnete hier der Schotte James Finlayson 1820 eine Fabrik für Spinnmaschinen. Binnen weniger Jahre folgten weitere Industriegründungen, die Bevölkerung wuchs stetig und Tampere wurde gar als „Manchester Finnlands“ bezeichnet.

Im finnischen Bürgerkrieg 1918 spielte es insofern eine wichtige Rolle, als die Niederlage der Rotgardisten im Kampf um die Stadt den entscheidenden Wendepunkt markierte. Heute wohnen hier etwas über 263.000 Menschen, im gesamten Großraum knapp 450.000.

Ilves Tampere wurde 1931 gegründet, und ist hauptsächlich einer von zwei Eishockeyvereinen in der Stadt (Konkurrent „Tappara“ spielt derzeit im Finale der finnischen Meisterschaft, weshalb die Statuen auf einer der zentralen Brücken die Dressen dieser Mannschaft tragen). Die Fußballabteilung bestand zwar von Beginn an, wurde zwischenzeitlich aber immer wieder eingestellt, um sich ganz auf den Sport auf Kufen zu konzentrieren. Eine (fast) durchgängige Geschichte besteht erst seit 1974 – allerdings ab 1998 ebenfalls für 10 Jahre vom Fusions-Abenteuer „Tampere United“ unterbrochen, das in einem Geldwäsche- und Spielbetrugsskandal endete.

2008 wurde wieder ein alleiniger Neustart unternommen, seit 2015 spielt Ilves (was auf Finnisch „Luchs“ bedeutet und auch das sonst seltsam anmutende Wappentier erklärt) wieder erstklassig und ist auch immer wieder europäisch vertreten. In der Saison 2024/25 schlug man dabei einen nicht komplett unsympathischen Wiener Verein in der Qualifikation zur Conference League, scheiterte danach allerdings am schwedischen Vertreter Djurgarden.

Stimmungstechnisch ist das Spiel das bisher eindeutig beste in Finnland. Die Ilves-Kurve sorgt fast durchgängig für Atmosphäre und zu Beginn sogar für eine Pyrotechnik-Einlage. Fußballerisch werden aber eher Erinnerungen an den Montag in Helsinki wach: Die Gastgeber gehen früh in Führung, danach folgt nicht mehr besonders viel. Umso mehr Spielminuten auf der Uhr angezeigt werden, desto passiver werden beide Teams. Gegen Ende ist der sichere Rückpass fast schon Standardprogramm und das Tempo nahe dem Nullpunkt.

Aus der Sicht der schlecht in die Saison gestarteten Mannschaft aus Tampere mag dies ja sogar nachvollziehbar sein, immerhin kann so der erste Sieg gegen den bisherigen Tabellenführer Oulu eingefahren werden. Schön anzusehen ist es allerdings wirklich nicht.

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