Club The Strongest – Club Bolivar 2:0

Estadio Hernando Siles, ca. 35.000 Zuschauer

Das Wetter in La Paz kann es einem schwer recht machen. Versauerte das ständige Grau wegen der Regenzeit die ersten Tage, so sind Sonnentage hier auch alles andere als optimal. Am Derbytag ist es so wolkenlos, dass die intensive Einstrahlung in dieser Höhe immer wieder in den Schatten flüchten lässt.

Auch nach über einer Woche hier bleibt der widersprüchliche Eindruck bestehen. Die Stadt ist teilweise in einem nicht viel besseren Zustand als die paraguayische Hauptstadt Asuncion. Ein großer Unterschied hier ist aber die Aufbruchsstimmung, die sich bei den Menschen, aber auch anhand von vielen Bauprojekten festmacht.

Das herausragende Beispiel dafür ist wohl die von einem österreichischen Unternehmen errichtete Seilbahn, die bald viele Teile der Stadt und auch das auf 4.000 Metern liegende El Alto miteinander verbinden wird. Momentan gibt es davon fünf Linien, weitere sind schon so gut wie fertig. Das normale Ticket kostet umgerechnet 40 Cent (3 Bolivianos), mit speziellen Karten fahren sozial Beeinträchtigte noch billiger. Also absolut ein Massenverkehrsmittel, das das Leben der Bevölkerung massiv erleichtern wird.

Gab es in den Tagen vor dem Spiel so gut wie keine aufkommende „Clasico paceño“-Stimmung (selbst die Eintrittspreise wurden offiziell erst einen Tag davor veröffentlicht), so ändert sich das am Sonntag doch beträchtlich. Beim Spaziergang durch die Stadt sind eigentlich so gut wie alle Einheimischen entweder in schwarz-gelb oder himmelblau gebrandet. Dies verstärkt sich freilich noch am Weg zum Stadion, das ich aufgrund der hoffentlich zu erwartenden besonderen Derbystimmung ja bereits zum zweiten Mal besuche.

Rund um die Spielstätte fällt vor allem die extrem friedliche Stimmung zwischen den verschiedenen Lagern auf, nicht selten sind Familienmitglieder oder auch Liebespaare bzw. einfach Freunde in den jeweils unterschiedlichen Farben gekleidet. Polizei sieht man (außerhalb des Stadions) nur sehr vereinzelt, dafür kann man sich schwer der überall herumwimmelnden Schwarzmarktverkäufer erwehren, obwohl es an den Kassen noch ganz normal Karten zu kaufen gibt.

Um einen Perspektivwechsel vorzunehmen, wähle ich diesmal die Gegengerade, was leider auch dazu führt, dass ich während des Spiels nicht wirklich den Platz wechseln kann, weil die Reihen hier verdammt eng sind. Zum Glück ströme ich bereits mit den ersten Zuschauern ins Stadion und ergattere einen Platz unter dem zweiten Rang, der erst vor dem kurz einsetzenden Regen und dann von der erbarmungslos herunterknallenden Sonne schützt. Nachteil davon ist freilich, dass ich 2 1/2 Stunden vor dem Spiel bereits quasi auf dem Platz festgenagelt bin, weil genau die Plätze heißbegehrt sind. Dutzende davon werden zudem von anderen Zuschauern für ihre später eintreffenden Freunde besetzt gehalten.

Diesmal ist Boliviens Nationalstadion wirklich sehr gut gefüllt, die Stimmung enttäuscht aber angesichts der Zuschauerzahl. Zwar singen beide Fanlager das ganze Match durch und nehmen dann auch immer wieder die Geraden mit, wirklich beeindruckend laut wird es aber nicht. Mehr zu gefallen wissen dahingegen die in beiden Kurven präsentierten Überrollfahnen zu Spielbeginn und der Konfettiregen im Bolivar-Sektor. In beiden Bereichen sitzen übrigens ganz normal auch Fans des jeweilig anderen Teams.

Das Spiel lässt völlig zu wünschen übrig, auch weil die Gäste ein Schatten ihrer selbst sind. The Strongest ist zwar nicht wirklich viel besser, aber energischer und arbeitet sich im Verlauf der 90 Minuten auch die größeren Chancen heraus. Der 2:0-Erfolg über das bis dahin unbesiegte Bolivar geht daher völlig in Ordnung.

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