Marbella FC – La Hoya Lorca CF 1:1

Estadio Municipal, ca. 5.000 Zuschauer

Zuletzt bin ich also doch noch gelandet, wo ich eigentlich hingehöre: in der Stadt der Reichen und Schönen an der Costa del sol, genannt Marbella. Fußball ist hier höchstens eine Nebenbeschäftigung zwischen achtem und neuntem Loch – Golfplätze gibt es dafür ja genug in der Umgebung.

Marbella ist schon auf den ersten Blick anders als die anderen – ebenfalls ja keineswegs upgefuckten – Städte in diesem Teil Spaniens. Gepflegter (selbst die Sozialbauten sehen hier so aus), gehobener, mit Kultur gespickter, fast an jeder Ecke mit Musik beschallt, besser riechend und vor allem: grüner. Nicht gerade wenig Aufwand wird hier offenbar in die Pflege der zahlreichen öffentlichen Parkanlagen gesteckt.

Und der größte Unterschied, der ja meist in solchen Städten zu Tage tritt und Marbella zu einem Unikum an der (zumindest von mir besichtigten) Costa del sol macht: Man sieht (fast) keine schreiende Armut, die einem sonst in Spanien, grad seit Beginn der Krise, auf Schritt und Tritt begegnet. Abgesehen natürlich von den auch hier aktiven – meist afrikanischen – Strandverkäufern. Aber auch diese bieten hier meist nur das an, was sie in den Händen halten, und nicht noch diverse „Zusatzservices“…

Nachwirkend dafür verantwortlich war vor allem der skandalumwitterte Ex-Bürgermeister der Stadt und ebenfalls Ex-Präsident von Atletico Madrid, Jesus Gil. Ihm ist etwa auch zu verdanken, dass Marbella über ein Bonsai-Museum verfügt. Ob man sowas als mittelgroße Stadt auch wirklich braucht, könnte man mit einer Erwiderung Gils auf einen Journalisten beantworten, der nach dem Grund, warum er sich einen ausrangierten Flugzeugträger gekauft hatte, konterte: „Ich hatte noch keinen!“ Absolut simpel wie einleuchtend…

Klarerweise gibt es aber dennoch auch hier einen Hort des Pöbels, auch wenn man sich besonderer Mittel bedienen muss, um diesen auch hierherzulocken. Für das letzte Saisonspiel, bei dem es immerhin noch um den Verbleib in der drittklassigen Segunda B geht, ist der Eintritt auf einen Euro gesenkt. Auch ohne diesen Marketingkniff verfügt das Stadion über eine Spezialität, die schon früh Zuschauer rund um den Ort des Spiels versammelt: Rundherum sind nämlich von verschiedenen Fanklubs betriebene Bars und Restaurants angeordnet, die schon drei Stunden vor Spielbeginn brechend voll sind.

Weiterer Vorteil meines frühen Erscheinens ist zudem, dass ich bei den Ticketschaltern einen „Spezialfan“ dabei beobachten kann, wie er den tröpferlweise eintreffenden Spielern mit Motivationsreden klarmacht, dass heute nur der Kampf zählt und dies mit Händen und Füßen auch eindrücklich untermauert. Ein paar Meter weiter stimmen die Fans in den Lokalen indes ihre ersten Lieder an – schon eine verdammt feine Atmosphäre.

Das Stadion hat innen leider eine Laufbahn, ist aber ansonst ein nettes Kleinststadion für 9.000 Zuschauer. Hinter einem Tor eröffnet es den Ausblick zum Meer, hinter dem anderen auf die Berge. Auf den Geraden befinden sich eine modernere Tribüne mit Klubschriftzug und eine mit betonierten Sitzplätzen – schattiger ist zweitere und daher auch meine Wahl.

Das Spiel wie auch die Stimmung kommen dann nicht richtig in Schwung, auch wenn die Ränge ordentlich gefüllt sind. Auf meiner Seite versucht zuerst ein Brüderpaar mit Posthorn und Trommeln das Publikum anzustacheln – immer wieder werden ihnen dabei aber von anderen Möchtegern-Capos ihre „Werkzeuge“ entrissen. Einer von ihnen versucht sich dann auch als Vorsänger, hält dies auch bis zur 80. Minute durch, verlässt dann aber etwas frustriert das Stadion.

Laut wird es kurzzeitig dennoch, nämlich als Marbella in der 54. Minute etwas überraschend mit einem Heber über den Torwart in Führung geht. Den Gästen gelingt zwar noch der Ausgleich, das Heimteam kann aber den rettenden Punkt über die Runden bringen und spielt auch nächste Saison in der dritten Liga.

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