1. FC Lok Leipzig – VfB Germania Halberstadt 1:1

Bruno-Plache-Stadion, 2.262 Zuschauer

Gestern ist also der einzige erwähnenswerte Höhepunkt der diesjährigen Europacupsaison der Salzburger passiert: Das Ausscheiden. Zur überschwenglichen Feier ebendieses Ereignisses mache ich mich noch in der Nacht auf, um ins Zentrum des nächsten Bullen-Großprojektes zu reisen. Ausgesucht haben sie sich dafür das „neue Berlin“, das seinem Spitznamen in jeder Hinsicht durchaus alle Ehre macht. Nach einem Besuch des Zeitgeschichtlichen Forums mit DDR-Dauerausstellung und ausgiebigem Stadtrundgang nähere ich mich langsam aber sicher dem eigentlichen Objekt meiner Begierde. Eine ganz kleine Dosis RB-Trauerwasser hab ich natürlich auf dem Weg dorthin in den „See der tausend Tränen“ vor dem imposanten Völkerschlachtsdenkmal vergossen.

Ziel der Reise ist dennoch nicht das große Zentralstadion (heißt jetzt nach irgendeinem Brausehersteller), sondern das Bruno-Plache-Stadion im Südwesten, Stadtteil Probstheida. Lok ist der bereits zweimalige Nachfolgeverein des VfB Leipzig (zum ersten Mal 1945, dann nach 2003), immerhin erster bundesweiter Meister der deutschen Fußballgeschichte (1903), und immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Im Gegensatz zum grün-weißen Konkurrenten Chemie Leipzig sind die Blau-Gelben aber noch nicht in zwei verschiedene Vereine gespalten, halbwegs stabil unterwegs und leisten so dem fortschreitenden Rinderwahn Widerstand. Dennoch ist auch hier das EL-Spiel der Salzburger überall Gesprächsthema Nummer eins, nicht zuletzt auch deshalb, weil es im deutschen Privatfernsehen übertragen wurde.

Seit der letzten Insolvenz und dem damit verbundenen Wiederanfang in den untersten Ligen haben die Fans, ohne die es den Verein gar nicht mehr geben würde, das Stadion in Eigenregie renoviert, was man vor allem bei der Haupttribüne mit ihrem schönen alten Holzdach bemerkt. Filzteppich kombiniert mit klassischer Plastikbestuhlung sorgt im mit strengem Rauchverbot belegten Bereich für ein ganz besonderes Feeling. Unterhalb davon und auch im weiten Oval des restlichen Stadions befinden sich Stehplätze. Mehr als 7.000 Zuschauer werden aber nicht mehr eingelassen.

2.262 Fans sind zu diesem über weite Strecken extrem zachen Regionalligaspiel gekommen. Angepfiffen wurde es mit einer zehnminütigen Verspätung, weil ein Zuschauer die Bushaltestelle zugeparkt hatte und mehrmals vom verzweifelten Stadionsprecher ausgerufen werden musste. Das war aber schon so ziemlich der einzige Höhepunkt. Bis zum Foulelfer der Gäste in der 79. Minute, der zum 0:1 führt, war de facto nichts los. Wenige Minuten später erfolgt der Ausgleich, der aber zumindest Lautstärkemässig durchaus beachtlich ist: Mit dem Roar beim Torjubel müssen sich die „Loksche“-Fans jedenfalls vor niemandem verstecken – beeindruckend!

Fankulturmässig ist es hier nicht unnett, aber auch nicht herausragend. Ganz nette Wechselgesänge und der ein oder andere Chant wissen zwar zu gefallen, sehr abwechslungsreich ist es allerdings nicht. Im Endeffekt ist es vergleichbar mit einem Besuch bei Sportclub oder Vienna – vielleicht ein bissl härter von den Umgangsformen.

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