Stadio Olimpico, 3.075 Zuschauer
Älteste Republik der Welt, schlechteste Nation in der FIFA-Weltrangliste: San Marino hat so einige Superlative zu bieten. Die sichersten Fußwege des Planeten werden wohl nicht so schnell dazukommen, dazu ist der Kleinstaat einfach zu sehr auf Auto- und Busverkehr ausgelegt.
Die historische Altstadt liegt auf dem Rücken des etwas über 700 Meter in die Höhe ragenden Kalksteinbergs Monte Titano. Um ihn rankt sich auch der Gründungsmythos des Staates, bei dem sich alles um den 3. September im Jahr 301 unserer Zeitrechnung dreht. An diesem Tag soll sich nämlich der Christ Marinus auf eben diese Anhöhen zurückgezogen haben, um seinen Glauben frei ausüben zu können. Dass die Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian erst zwei Jahre später begann, liefert dabei nur einen Hinweis, warum der Wahrheitsgehalt der Geschichte heute für eher gering gehalten wird. Oberhäupter des Staates sind seit 1243 jeweils zwei „Capitani Reggenti“, die für je sechs Monate gewählt werden.
Neben dem Touristenmagneten auf dem Berg, in dem aber nur etwas über 4.000 der insgesamt 30.000 Einwohner:innen leben, erstrecken sich zu seinen Füßen auch noch mehrere Ansiedlungen und Dörfer. Diese werden von einer stark befahrenen Bergstraße durchquert, entlang derer man besser nicht gehen sollte. Das habe ich beim Abstieg vom Berg, fürsorglich wie ich bin, bereits für alle anderen ausgetestet. Nur wusste ich da noch nicht, dass die größere Herausforderung erst kommen wird.















Sparsam, wie ich bin, entschließe ich mich nämlich, auch noch den Weg vom etwas höher gelegenen Hotel zum Stadion doch zu Fuß zu zurückzulegen. Abgesichert mit der Rückfrage bei der Rezeptionistin, die für die Strecke trotz mehr als doppelter Google-Maps-Angabe nur rund 20 Minuten veranschlagt, nehme ich das erste Stück bergab in Angriff. Schon bei der ersten größeren Abzweigung merke ich aber, dass der weitere Weg wieder entlang einer engen und stark befahrenen Straße führen würde – Platz für Fußvolk Fehlanzeige.
Sicherheitshalber wähle ich daher doch den als länger angezeigten Umweg. Großer Bonuspunkt ist, dass ich dabei auf zwei weitere Stadionbesucher treffe, mit denen ich die kleine Wanderung – nun bereits bei rund 30 Minuten Gesamtzeit angelangt – gemeinsam für eine weitere halbe Stunde fortsetze. Insgesamt herrscht auf der nun gewählten Strecke zwar weniger Verkehr, gewisse Passagen, wie etwa ein steil abfallender Landwirtschaftsweg sind doch nicht gerade etwas, dass einem beim Gedanken an den Rückweg in Dunkelheit nach dem Match frohlocken lässt.
Darum hier auch gleich noch den Marsch retour vorgezogen: Nicht nur sparsam, sondern auch dumm, wie ich bin, wähle ich wegen der oben aufgezählten Gründe nun doch die eigentlich ursprünglich angezeigte Route. Das am späten Abend als zu gefährlich eingeschätzte Stückchen ist dabei – allerdings bei weit weniger Verkehr mittlerweile – noch bei Weitem das „geschmeidigere“. Bereits davor lasse ich als absolut überzeugter Atheist mehrere Stoßgebete auf dem Asphalt liegen, um meiner Reise hold zu sein. Der zweispurigen Bergstraße begegne ich dabei auch wieder. Wie die Rezeptionistin diesen Weg als sicher (extra dazu nachgefragt) einschätzen konnte, entzieht sich absolut meiner Kenntnis. Die Sammarinesi sind offenbar abgehärtete und unerschrockene Fußgänger:innen, wenn sie es den mal tun. Denn gesehen hab ich an diesem Tag sehr, sehr wenige davon.
Nun aber dann doch zum Spiel: Der Abend steht wohl bei vielen Spielern, und auch nicht wenigen Fans, ganz im Zeichen des Amoklaufs in Graz. Entsprechend zurückhaltend ist die Körpersprache der Kicker, wie auch die ganze Atmosphäre rundherum. Vor Anpfiff wird eine Trauerminute abgehalten, danach posiert das gesamte ÖFB-Team vor einem vorm Fansektor angebrachten Gedenk-Transparent.
Dennoch bringen die Österreicher in der ersten Halbzeit eine engagierte Leistung auf den Platz, die sie bereits früh mit 4:0 in Führung gehen lässt. Ein aberkannter Abseits-Treffer, ein zurückgenommener Elfer und ein verschossener Strafstoß von Arnautovic beiseite gelassen, ist dann aber früh merklich die Luft aus dem Spiel. Dies liegt auch daran, dass San Marino einen besseren Weg zur Verteidigung des Ist-Zustands findet. Der beherzte Auftritt trägt immerhin dazu bei, dass der Österreich-Sektor zwischenzeitlich, und mit einer Brise Ironie versehen, auch die Amateur-Kicker aus dem Zwergenstaat anfeuert. Durchaus verdient, wie ich meine.





















