KAA Gent – Omonia Nikosia 1:0

Planet Group Arena, 8.500 Zuschauer

Begeisternde Stadt trifft auf ausbaufähiges Match: Mit einem Spiel der UEFA-Conference-League-Gruppenphase startet das Wochenende in Belgien durchwachsen. Ohne ein paar Hundert Grüne wäre ich dabei aber noch viel, viel mehr verzweifelt. Und das soll bei mir auch wirklich etwas heißen.

Mit etwas über 265.000 Einwohnern ist Gent hinter Antwerpen die zweitgrößte Stadt Belgiens. Im Mittelalter wuchs sie durch den Tuchhandel zwischenzeitlich zu einer der größten und wohlhabendsten Städte Europas heran, um dann durch einen langen Niedergang vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts fast vollständig von der Weltgeschichte vergessen zu werden. Erst die einsetzende Industrialisierung – und mittlerweile eindeutig auch der Tourismus – verschafften der Stadt erneuten wirtschaftlichen Aufschwung. Das von Kanälen umgebene historische Zentrum konkurriert dabei an Schönheit und romantischem Faktor eindeutig mit dem nur unweit gelegenen Brügge.

KAA Gent (KAA steht für Königliche Athletikvereinigung) wurde 1864 als ein Multisportverein gegründet, erst 1900 kam eine eigene Fußballabteilung hinzu. Den Spitznamen („Buffalos“) wie auch das Logo mit einem stilisierten Häuptling der nordamerikanischen Sioux erhielt der Klub, als die Wild-West-Show von Buffalo Bill 1906 auch in Gent Station machte. Zum Ausdruck von Begeisterung wurde zuerst von Studierenden in ganz Belgien der Ausruf „Buffalo! Buffalo!“ übernommen und vor allem, aber nicht ausschließlich, im Sport angewendet. In Gent blieb dieser dann schlussendlich für immer hängen – und manifestiert sich seit 1924 eben auch im Logo. Ähnlich wie in nordamerikanischen Sportarten ist die weitere Verwendung von ebendiesem mittlerweile umstritten. Im Zuge eines (offenbar) sehr breiten Diskussionsprozesses über eine Änderung hat sich KAA bisher aber dagegen entschieden.

Eher wenig Diskussion kann über das heutige Spiel aufkommen: Es ist leider nämlich über weite Strecken mühsam, fad und sehr, sehr schlecht – das noch dazu bei nasskaltem Wetter. Einen großen Beitrag dazu liefern auch die einheimischen Fans, die das europäische Auftreten ihres Vereins nicht so wirklich zu euphorisieren scheint. Selbst bis kurz vor Anpfiff herrscht in weiten Teilen des Stadions gähnende Leere, vor allem die eigentliche Fankurve ist fast vollständig verwaist. Für die bereits beim Stadtspaziergang immer wieder über den Weg gelaufenen Omonia-Anhänger:innen (rund 1.500 sollen dabei gewesen sein) ist es daher vorerst ein leichtes, die Auswärtsfahrt zu einem Heimmatch werden zu lassen.

Mit dieser Herrlichkeit ist es aber nach dem Führungstreffer durch Gent in der 31. Minute auch ziemlich abrupt wieder vorbei. Fortan nimmt die verstummte grüne Ecke das Spiel beinahe kommentarlos hin und die heimischen Fans – mittlerweile sogar halbwegs zahlreich erschienen – reißen das Stimmungsruder doch noch an sich. Wahre Höchstleistungen erlebt man heute jedoch weder auf den Rängen noch auf dem Rasen, wo es auch nach 90 Minuten beim mickrigen 1:0 bleibt.

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