SV Darmstadt – TSG Hoffenheim 0:6

Merck-Stadion am Böllenfalltor, 17.810 Zuschauer

Sag zum Abschied mit Anstand Servus: Nicht unbedingt ein Motto, dass man sich in Darmstadt nach dieser Horrorsaison für das letzte Bundesliga-Heimspiel vor dem Abstieg erwarten hätte können. Und so unkonstant die Lilien sonst auch über das Jahr spielten, heute ließen sie sich nicht lumpen. Mit einer Vorstellung zum Vergessen wurde dem treuesten Publikum noch einmal so richtig gezeigt, dass die zweite Liga zwischendurch vielleicht doch auch ganz sinnvoll ist.

Bei meinem letzten Besuch vor zwölf Jahren traf ich zwar die – neben Bruce Willis – einzige lebende Legende aus Idar-Oberstein (und die halbe Fankurve), hatte mir aber keine Zeit für die Stadt selbst genommen. Dies holte ich daher nach. Erinnerte mich der Weg vom Bahnhof in die Innenstadt noch an so manche trostlose Stadtwanderungen in den Vorstädten Osteuropas, so weiß das Zentrum dann doch durchaus zu gefallen.

Nur leider ist Darmstadt offenbar nach dem Prinzip errichtet, dass im Zweifel auch das letzte Stückchen Grün mit einer Pflasterung versehen werden muss. Dies macht die Fußgängerzone dann doch etwas unwirtlich – nicht nur an heißen Tagen wie diesen. Besonders schlagend wird das am zentralen Luisenplatz mit der Statue von Großherzog Ludewig I., im Volksmund auch „Langer Lui“ bzw. „Langer Ludwig“ genannt. Im Sommer muss dies wohl ein menschenfeindlicher Hitzepol sein, der sich gewaschen hat.

Seit dem bereits erwähnten Besuch vor zwölf Jahren noch zu Drittligazeiten sind die Lilien nicht nur immer wieder mal eine Liga aufgestiegen, sondern haben auch das Stadion den Anforderungen des modernen Fußballgeschäfts angepasst. Die Aufnahme eines Sponsors in den Namen ist dabei sicherlich die unangenehmste Tatsache. Ansonsten ist die Neugestaltung – auch wenn gerade die alte Gegengerade unglaublichen Charme hatte – durchaus gut gelungen. Betroffen waren davon alle Tribünen, im Dezember 2022 waren alle Umbauarbeiten beendet. Das Fassungsvermögen beträgt seither 17.810 Zuschauer, die Partie heute ist somit ausverkauft.

Bei den heimischen Anhängern ist die Bereitschaft, diesen Abschied aus der Bundesliga mit Anstand zu begehen jedenfalls durchaus hoch. Sie hatten zu einem „Tag der Fahne“ gerufen, die noch zahlreich in das Stadion mitgenommen werden sollten. Zudem ist auch die Choreographie auf der Fantribüne durchaus ansehnlich. Doch die Mannschaft lässt dann doch mal wieder im Stich: Irgendwie erinnert alles frapant an die (Un)Leistung vor rund zwei Monaten, als Darmstadt schon einmal (gegen den FC Augsburg) daheim mit 0:6 unter die Räder kam.

Einem völlig absurden, frühen Tor der Hoffenheimer in der zweiten Minute folgt de facto in Blaupause derselbe Treffer nur vier Minuten später. Ab da konnte es einfach nur mehr bergab gehen. Das Kunstkonstrukt aus dem Kraichgau dominiert danach nach Belieben, Darmstadt attackiert frühestens ab der Mittellinie – und auch da nur höchstens halbherzig. Bereits nach 51. Minuten ist der Entstand hergestellt. Danach nimmt es auch die orange Gastmannschaft nicht mehr sonderlich ernst. Mit Galgenhumor reagieren hingegen die heimischen Fans, die zwischenzeitlich den Support auch ganz eingestellt hatten: Werden zuerst erfolgreich durchgeführte Pässe bejubelt, wird gegen Ende sogar noch die Welle im Stadion gestartet. Eine Maßnahme, die fast noch Erfolg zeitigt. Das späte 1:6 wird jedoch nach Abseits aberkannt.

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